hotelarchiv
05.05.2011
Neue Serie: «Der Stich redet für sich»
In Zusammenarbeit mit dem Hotelarchiv startet die htr eine neue Serie mit Stichen aus der Sammlung Eric Lindle, La Chaux-de-Fonds.

Einst, als die Hoteliers für ihren Gasthof ein wenig Reklame machen wollten – weil sich nebenan auch ein Gasthof befand und man die Touristen für sich alleine haben wollte - nutzten sie die Dienste eines Landschaftsmalers, oft gegen Kost und Logis, der ein schönes Bild ihres Gasthofs malte. Das Bild brachte man anschliessend einem Verlag, dessen Künstler aus dem Bild einen Stich zeichneten. Manchmal kamen die Künstler selber an Ort und Stelle, um eine Skizze der Pension zu erstellen und diese dem Verlag direkt zum Druck zu liefern.

Die Stiche waren nicht immer treu, trafen sogar selten die Wirklichkeit. Die Berge waren kleiner oder grösser, je nachdem, wie es einem lieber war. Das Bahngleis stand genau vor der Tür und das Dampfschiff konnte man beinahe vom Garten aus betreten. Das Hotel verfügte bereits über einen Anbau, auch wenn der Hotelier das Geld dafür noch gar nicht hatte. Veranda, Balkon und Festsaal wurden ohne Scham skizziert, auch wenn sie erst im Bau waren. Aus diesem Grunde ist es oft schwierig, die Stiche ohne Archivangaben genau zu datieren.

Der Stich kostete eine Menge Geld und sollte lange gebraucht werden können. Die ersten Stiche, von denen man sagen kann, dass es sich um Werbung handelt, datieren um 1850. Nach 1848 ist die Schweiz endlich ein Land ohne «Grenzen» mit einer einzigen Währung. Die Wanderer der ersten Touristenepoche waren meistens zu Fuss und per Kutsche unterwegs. Wenn der eine oder andere einen solchen Stich in seiner Reisetasche mitnehmen konnte, war es gute Werbung für den Gasthof, der damit sicher weitere Gäste anziehen konnte.

Heute sind wir es gewöhnt, dass ein Hotelprospekt schöne Bilder zeigt und viele Informationen enthält. Man wird vom Bild gelockt und liest den Inhalt erst, wenn man die Absicht hat, in einem bestimmten Hotel abzusteigen. Damals gab es noch keine Prospekte, wie man sie seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kennt. Die Hoteliers überlegten also, wie sie aus dem schönen Bild mehr als ein Andenken machen konnten. Da man ja sowieso eine Matrize machen musste, um den Stich zu drucken, konnte man dem Bild aus dem Satzkasten der Druckerei ohne grossen Aufwand und ohne grosse Kosten einen Text hinzufügen.

Bezeichnend ist, dass die Texte immer länger wurden und bald so informativ, dass sie dem Bild die Show stahlen und die Hoteliers den Hotelprospekt erfinden mussten. Die Bilder sprechen alle für sich - damit man sie auch richtig versteht, werden spannende Zusatzinformationen in diesem Dossier veröffentlicht.

  
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