Das Tessin ist die Sonnenstube der Schweiz: Dieses Klischee haftet an unserem Kanton wie eine Etikette an der Merlot-Flasche. Damit könnten wir eigentlich gut leben – wenn da nicht der Umkehrschluss wäre, wonach unsere Region bei Regen nichts zu bieten hat.
Wesentlich geprägt hat das Bild der verregneten Trostlosigkeit der Schweizer Schriftsteller Max Frisch in seiner 1979 veröffentlichten Erzählung «Der Mensch erscheint im Holozän». Darin wird ein tagelanges Unwetter in einem abgeschnittenen Tessiner Bergdorf zur Parabel des Verfalls und Sterbens des Protagonisten, eines 73-jährigen Rentners namens Geiser.
Tatsächlich ist das «Geiser-Syndrom» immer noch weit verbreitet. Auch in unserer Branche beginnen viele Trübsal zu blasen, sobald die Wetterfrösche Niederschläge ankündigen. Mir geht dieses Gejammer auf den Wecker. Denn darob geht vergessen, dass das Tessin auch bei schlechtem Wetter Trümpfe hat, die stechen.
Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Bei uns ist selbst ein Regentag faszinierender und romantischer als ein grauer Tag in den Agglomerationen auf der Alpennordseite!
Sie glauben mir nicht? Dann lade ich Sie gerne ein, mich bei einem Spaziergang zu begleiten. Sie haben die Qual der Wahl: Sie können über die Piazza in Ascona schlendern, entlang des Luganersees oder sich auf die Spuren unserer zivilen und religiösen Kulturschätze begeben. Dabei lege ich Ihnen einen Besuch der Kirchen San Nicola in Giornico und San Carlo in Negrentino sowie die Burgen des Hauptortes Bellinzona ans Herz.
Sie können aber auch durch die malerische Altstadt von Mendrisio flanieren oder durch die wildromantischen Täler wandern… dazu ein Gratistipp: von Comologno zu den alten Bädern von Craveggia im Onsernone-Tal – Geiser lässt grüssen!
Patrick Lardi ist Vizedirektor von Ticino Turismo.
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