Für uns Meteorologen und Klimatologen gehört der Sommer 2010 bereits seit dem 1. September der Vergangenheit an; aus statistischen Gründen dauern bei uns die Jahreszeiten immer exakt drei Monate. Unsere Bilanz dieses Sommers lautet plakativ und knapp: «Kurzer Höhenflug und viel Tristesse». Zwar konnten wir während knapp vier Wochen zwischen dem 22. Juni und dem
21. Juli von sonnigem und heissem Sommerwetter profitieren, die restliche Zeit indes war bestenfalls biederer Durchschnitt. Nun gelten in Ihrer Branche die drei W-Faktoren «Wirtschaftslage», «Währung» und «Wetter» als entscheidend für den Geschäftsgang. Allein schon die unsichere Wirtschaftslage in vielen Ländern und der immer schwächere Euro lassen nicht gerade auf einen erfolgreichen Sommer schliessen, zumal das hervorragende Sommergeschäft 2009 sehr hohe Erwartungen geweckt hat. Jetzt war also auch das Wetter suboptimal – und tatsächlich zieht Schweiz Tourismus derzeit eine eher «durchzogene» Bilanz für diesen Sommer 2010. So litt gemäss ST gerade auch der Tagestourismus unter dem schlechten Wetter, ausserdem zog es die Schweizer – vielleicht nicht nur aufgrund des starken Frankens – vermehrt ins Ausland.
Trotzdem darf ich erfreut feststellen, dass wir Meteorologen diesen Sommer von Ihnen ziemlich «in Ruhe gelassen» wurden: Selbst im Sommerloch äusserten Sie keine nennenswerte Schuldzuweisungen via Medien an unsere Adresse wegen «falschen» oder «zu pessimistischen» Wetterprognosen. Dafür möchte ich Ihnen, werte Bergbahnbetreiber, Hoteldirektorinnen, Tourismusverantwortlichen, an dieser Stelle danken! Natürlich warten wir nun gespannt ab, was der Herbst bringen wird. Wir würden uns freuen, wenn sich alle «W-Faktoren» wieder zu Ihren Gunsten ändern würden. Also auch das Wetter. Dann nämlich unterstützen wir Sie auch gerne mit erfreulichen Prognosen!
Thomas Bucheli, Redaktionsleiter von SF Meteo
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