meinung
26.08.2010
Kleiner Klub der Grossen
(© Gina Carlo Cattani)
«Top Events of Switzerland» vereint hochstehende kulturelle und sportliche Veranstaltungen. Präsident Richard Dillier zum Konzept und dessen Erfolg.
Daniel Stampfli

Richard Dillier, zurzeit findet das Lucerne Festival statt. Sind Sie mit dem Start zufrieden?

Das Lucerne Festival mit seinem weltweiten Renommee hat optimal begonnen. Das erreichte sehr hohe Niveau kann kaum mehr gesteigert werden. Auch der Vorverkauf lief sehr gut. Das Lucerne Festival bringt der Region eine grosse Wertschöpfung und ist für die Hotellerie ein optimaler Anlass.

Welchen Stellenwert hat das Lucerne Festival innerhalb der sieben «Top Events of Switzerland»?

Die verschiedenen Anlässe lassen sich bezüglich Gästezahlen und Wertschöpfung nicht vergleichen. Denn speziell an unserer Vereinigung ist, dass jedes Event besonders positioniert ist und dadurch einen ganz eigenen Stellenwert hat. Dies ist bewusst so gewählt. Es sind auch grössere und kleinere Events dabei. Das Lucerne Festival etwa erstreckt sich über fünf Wochen, im Gegensatz dazu findet Weltklasse Zürich an einem einzigen Abend statt.

Drei von sieben Events – Filmfestival Locarno, Lucerne Festival und Weltklasse Zürich – finden alle im Monat August statt. Wäre es nicht idealer, auf das ganze Jahr verteilte Events zu haben?

Klar wäre es besser, wenn man sie übers Jahr hinweg verteilen könnte. Der Zeitpunkt der Veranstaltung ist aber kein Kriterium für die Mitgliedschaft bei Top Events. Massgebend sind Qualität und Ausstrahlung der Events. Mit dem unterschiedlichen Zielpublikum stören sie sich nicht gegenseitig und nehmen einander auch ihre Medienwirksamkeit nicht weg.

Welches sind denn die konkreten Kriterien, damit ein Anlass ein Top Event ist?

Das Event muss in der Schweiz das führende Event in einer eigenen Sparte sein. Es muss eine internationale Ausstrahlung und höchste Qualität haben sowie innovativ, kreativ, medienwirksam und zugänglich fürs öffentliche Publikum sein.

Wird damit nicht nur eine reiche und exklusive Klientel angesprochen?

Nein, überhaupt nicht. Sicher hat jedes Event seinen VIP-Bereich, der vor allem für Sponsoren wichtig ist. Alle sieben Events sind aber auch öffentlich zugänglich, es können frei verfügbare Tickets gekauft werden. Die breite Streuung ist uns sehr wichtig.

Wie viele Logiernächte werden mit den Top Events generiert?

Über Übernachtungszahlen verfügen wir nicht, doch kann man davon ausgehen, dass insgesamt eine stolze Anzahl an Logiernächten zusammen kommt. Jährlich verzeichnen die sieben Events insgesamt 700000 bis 800000 Besucher, wovon rund 20 Prozent aus dem Ausland kommen. Die Wertschöpfung beträgt rund 180 Mio. Franken.

Welches ist für die Hotellerie das lukrativste Event?

Sehr viele Logiernächte bringt zum Beispiel die Art Basel. Während der im Juni stattfindenden Kunstmesse sind selbst die Hotels in Zürich beinahe ausgelastet. Auch das Lucerne Festival, das Montreux Jazz Festival und das Filmfestival Locarno sorgen für sehr viele Übernachtungen. Am wenigsten entfällt logischerweise auf das eintägige Leichtathletikmeeting Weltklasse Zürich.

Ist ein Ausbau mit weiteren Events geplant?

Ein eigentlicher Ausbau nicht. Es gibt aber immer wieder Kandidaten, die gerne bei uns mitmachen würden. Wir wollen aber eine kleine Vereinigung bleiben und die ganze Gruppe auf maximal neun Mitglieder beschränken.

Welche zwei Events drängen sich auf, um die Gruppe auf neun Mitglieder zu erweitern?

In Abklärung befindet sich Rose d’Or, das internationale Festival der Fernseh-Unterhaltung in Luzern. Erste Gespräche haben stattgefunden.Weiter in der Pipeline als mögliches Mitglied ist das Lauberhorn-Rennen in Wengen.

Sie sind auch Präsident des Kurvereins St.Moritz. In dieser Funktion macht Ihnen der Streit um die nächste Austragung des Polo World Cup on Snow wohl weniger Freude?

Klar ist dies in St.Moritz ein Thema. Es ist unglücklich, dass zwischen den Veranstaltern des White Turf und jenen des Polo World Cup Divergenzen bestehen. Man ist aber nun daran, eine Lösung zu finden, und bis Ende August sollte klar sein, ob und in welcher Form das Polo-Turnier wieder stattfindet wird.

Schlägt dieser Streit negativ auf den White Turf und damit auch auf die Top Events durch?

Auf die Top Events hat dies gar keinen Einfluss. Der Streit ist lokaler Natur und vielleicht in der Pferdeszene ein Thema, aber gesamtschweizerisch wird dieser kaum zur Kenntnis genommen. Qualität und Durchführung des White Turf wurden nie in Frage gestellt.

 

Richard Dillier (geb. 1952) ist seit 2004 Präsident von Top Events of Switzerland. Gleichzeitig ist er seit 2009 auch Präsident des Kurvereins St.Moritz. Als Zahnarzt hat Dillier seit 1981 in St.Moritz eine eigene Praxis.

Zu den Top Events of Switzerland gehören: Art Basel, Filmfestival Locarno, Lucerne Festival, Montreux Jazz Festival, Omega European Masters Crans-Montana, Weltklasse Zürich, White Turf St.Moritz. Partner sind Schweiz Tourismus, Swiss International Air Lines und Swiss Deluxe Hotels. dst

  
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