meinung
12.08.2010
«Der Vorschlag ist nicht akzeptabel»
(© Alain D. Boillat)
Guglielmo L. Brentel, Präsident von hotelleriesuisse, ist nicht damit einverstanden, dass der Bundesrat Innotour künftig über Schweiz Tourismus finanzieren will.
Theres Lagler

Der Bundesrat hat eine Wachstumsstrategie für den Tourismus formuliert und ein Bekenntnis zu Innotour abgelegt. Er will das Instrument zur Förderung von Innovation beibehalten. Was sagen Sie dazu?

Die Wachstumsstrategie ist exzellent. Sie setzt auf die richtigen Förderinstrumente. Man merkt, dass die Strategie in Zusammenarbeit mit der Branche entstanden ist. Wachstumspolitik heisst aber Aufbau und nicht Abbau. Deshalb sehe ich einen Widerspruch zur Innotour-Vernehmlassung. Die jährlich 5 Millionen Franken für Innotour sollen ab 2012 dem Budget von Schweiz Tourismus entnommen werden. Das ist eine Mogelpackung. Dieser Vorschlag ist inakzeptabel.

Schweiz Tourismus – kurz ST – erhält zur Zeit vom Bund einen Jahresbeitrag von 47,5 Millionen. Welche Folgen hätte die Budgetkürzung?

Es geht bei der Kürzung um satte 12 Prozent. Das kann ST nicht einfach in den Kosten auffangen. ST arbeitet schon heute sehr kosteneffizient. Wenn man Geld streicht, hat das Konsequenzen für die Vermarktung. Das bedeutet, dass Märkte aufgegeben werden müssten. Dabei zeigt gerade die aktuelle Euro-Krise, wie wichtig es ist, Märkte zu bearbeiten, die nicht vom Euro abhängig sind. Genau diese Länder – die Bric-Staaten und die Golfstaaten – haben in der Juni-Statistik bei den Logiernächten zugelegt. Das ist kein Zufall.

Bedeutet das, dass man Innotour notfalls opfern muss, damit ST keine Budgetkürzung erfährt?

Nein, auf gar keinen Fall. Es darf nicht sein, dass ein tourismuspolitisches Instrument gegen das andere ausgespielt wird. Wir haben drei davon. Wir brauchen die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit, um finanzielle Anreize bei den Infrastrukturen zu setzen. Wir brauchen Innotour, um Innovationen in die Produkte zu bringen. Und wir brauchen Schweiz Tourismus, um die Angebote bekannt und buchbar zu machen.

Wie wollen Sie bewerkstelligen, dass das Parlament trotz Ausgabenstopp mehr Geld bewilligt?

Das Parlament wird sich mit der Frage beschäftigen müssen, welche Bedeutung der Schweizer Tourismus für das Image des Landes und die Arbeitsplätze hat. Wenn das Parlament ja sagt zur Wachstumsstrategie, dann muss es auch die entsprechenden Mittel bewilligen.

Es formiert sich aber bereits Widerstand. Auf der Website innotour.ch zerreisst ein anonymer Kritiker Innotour in Stücke. Wissen Sie davon?

Ich kenne die Website nicht, nehme anonyme Kritiker aber in der Regel nicht zur Kenntnis.

Es ist Kritik, die auch sonst auftauchen könnte. So wird bemängelt, dass das Parlament umgangen werde, da ST nebst dem Rahmenkredit Innotour-Gelder für Projekte erhält.

Wenn eine Organisation wie ST ein innovatives Projekt hat, hat sie Anspruch auf eine Finanzierung wie jede andere Organisation auch. Sie muss sich einfach bewerben. Da sehe ich kein Problem. Mit dem Projekt «Enjoy Switzerland» hat ST beispielsweise Einfluss genommen auf die Dienstleistungsqualität des Schweizer Tourismus. Das gehört nicht primär zum Marketingauftrag, den ST vom Parlament hat. Es ist deshalb legitim, das Projekt nicht mit dem Vermarktungs-, sondern mit dem Innovationsinstrument zu finanzieren.

Genau hier setzt ein weiterer Vorwurf ein: Gibt es bei der Vergabe von Geldern Interessenskonflikte, weil Mitarbeiter des Staatssekretariats für Wirtschaft im ST-Vorstand sitzen?

Das ist kalter Kaffee und stimmt so nicht. Die Seco-Mitarbeiter geben erstens wegen der neuen Corporate Governance des Bundes ihre Vorstandsämter in bundesnahen Institutionen auf. Zweitens ist Eric Scheidegger, Leiter Standortförderung beim Seco und ST-Vorstandsmitglied, bei Fragen, die Innotour betrafen, immer in den Ausstand getreten und hat sich jeweils der Stimme enthalten. Ich persönlich finde die neue Governance nicht gut. Mir wäre es lieber, dass der Bund über seine Vertreter als Erteiler der Leistungsaufträge auch für deren Umsetzung aktiv Verantwortung übernimmt.

Ausgerechnet jetzt – im Vorfeld der Finanzierungsdebatte – rumort es auch in den eigenen Reihen. ST mache zu viel im Inland

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht Gärtlidenken betreiben, sondern überlegen, wie wir die beste Wirkung für den Schweizer Tourismus erzielen können. Während der Finanzkrise hat der Bund ein Impulsprogramm für den Tourismus lanciert und ST mit der Umsetzung beauftragt. Die nachträgliche Analyse zeigt, dass das Zehnfache des Investierten wieder reingeholt werden konnte – auch auf dem Heimmarkt. Auch aufgrund dieser Erfahrung müssen wir die Aufgabenteilung zwischen ST und den Destinationen neu überdenken.

Sind Sie sicher, dass ST-Chef Jürg Schmid die Leute wieder hinter sich scharen kann?

Das steht für mich ausser Frage.

  
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