das blaue wunder
30.07.2010
Seehotel Sonne, Küsnacht (ZH)
René Grüter und Catherine Julen Grüter führen das Seehotel Sonne an der Zürcher Goldküste.
René Grüter und Catherine Julen Grüter führen das Seehotel Sonne an der Zürcher Goldküste. (© Melanie Roth)
Sie suchte ein aussergewöhnliches Haus und hat das Hotel Sonne in Küsnacht gefunden: Catherine Julen Grüter über das geschichtsträchtige Seehotel und die Sache mit der Nachhaltigkeit.

«Ich sagte immer: Ich gehe nie in die Hotellerie, das ist viel zu zeitintensiv.» Wie so oft kam es auch bei Catherine Julen Grüter anders als geplant. In einer Hotelierfamilie in Zermatt aufgewachsen, zog es sie zunächst ins Ausland. Bei ihrer Rückkehr sei sie etwas ziellos gewesen, ihr Bruder hatte gerade ein Hotel in Zermatt eröffnet. Kurzerhand sprang Julen als Sekretärin ein. Und ist bis heute in der Hotelbranche geblieben. 

Gemischtwarenladen für Büezer und Geniesser
Seit acht Jahren führt Julen nun zusammen mit ihrem Mann René Grüter das Seehotel Sonne in Küsnacht.  Das Direktionsehepaar lernte sich im Widder Hotel in Zürich kennen, er war F&B-Manager, sie leitete die Reception. Nach ein paar Jahren kam der Wunsch auf, einen eigenen Betrieb zu führen. Und: «Wenn mal einmal im Widder Hotel gearbeitet hat, will man keinen 0815-Betrieb übernehmen.»

Mit dem Seehotel Sonne haben die Beiden gefunden, was sie suchten. «Man könnte sagen, wir sind hier so etwas wie ein Gemischtwarenladen», erklärt Julen. Das Haus sei sehr vielfältig, biete neben einem gehobenen Restaurant auch eine Gartenbeiz mit Selbstbedienung und eine Gaststube mit Schweizer Küche. Und sei mit den vielen bekannten Kunstwerken auch ein bisschen Museum. So ist auch die Gästestruktur durchmischt: Vom einfachen Büezer bis zum Geniesser gingen hier alle ein und aus, so Julen.

Taverne, Tonstudio und Toiletten auf dem Gang
Besonders sei vor allem auch die Geschichte, erzählt die Direktorin weiter: «Das Haus hat seine Ecken und Winkel, jedes Zimmer seine Eigenart.» 350 Jahre lang war das Seehotel – erstmals erwähnt 1641 - im Besitz der Familie Guggenbühl. Als eine der ersten Tavernen der Schweiz eröffnet, sei das Haus typisch schweizerisch Schritt um Schritt erweitert worden, erzählt Catherine Julen. Mit Aufkommen des Fernsehens in den 50er Jahren seien Fest- und Theatersaal dann immer weniger von Vereinen genutzt worden. So wurde der eine Saal in ein Tonstudio umfunktioniert, namhafte Schweizer Musiker wie Vico Torriani nahmen darin ihre Platten auf.

Ende der 90er Jahren war keiner der Familie Guggisberg mehr bereit, das Haus weiterzuführen. Zu gross war der Investitionsbedarf des historischen Gebäudes. «Das Hotel war auf dem Zwei-Sterne-Niveau, im Seehaus, welches ebenfalls zum Hotel gehört, waren die Toiletten noch auf dem Gang zu finden», weiss Julen. Der in Küsnacht aufgewachsene Financier Urs E. Schwarzenbach konnte den langsamen Zerfall des Traditionshauses nicht mit an sehen und investierte 20 Millionen in Umbau- und Renovationsarbeiten. 

Eine Klimaanlage für zehn heisse Nächte?

«Früher brachte das Wasser die Gäste», erzählt Catherine Julen. Als an der Goldküste noch Bauern wohnten, seien die Reichen jeweils von der Stadt nach Küsnacht gekommen, um sich einen Tag am Wasser zu gönnen. Nicht nur das Hotel, auch Julen selbst hat einen starken Bezug zum Wasser. Als Kind habe man sie kaum aus dem Wasser gebracht, erzählt sie. «Ich weiss noch, wie ich einmal in Leukerbad gebadet habe….ich hatte 10cm Schnee auf der Badekappe, und wollte noch immer nicht raus.»

«Hut ab vor Ernst Bromeis Leistung», sagt die Direktorin. Es brauche so Leute wie ihn, ihnen selbst habe er wieder Denkanstösse gegeben.  Das Projekt mit Sparduschköpfen würden sie jetzt wieder in Angriff nehmen. Die Sache mit der Nachhaltigkeit sei aber halt schon sehr, sehr schwierig. In den Zimmern des Hotels Sonne gibt’s keine Klimaanlage, der Einbau in das alte Gebäude wäre sehr aufwändig. Auch den Nutzen sieht Julen als sehr gering an: «Wir haben hier zehn heisse Nächte im Jahr. Was bringt eine Klimaanalage, die dann an 365 Tage herunterkühlt.» Der heutige Gast sei sich das aber einfach nicht gewohnt. Gerade vor zwei Wochen hätte sie das wieder erlebt: «Gäste, die fünf Zimmer gebucht hatten, sind wieder gegangen. Sie meinten, sie könnten hier nicht schlafen.»

  
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