das blaue wunder
19.07.2010
Hotel Sonne, Wildhaus (SG)
Paul Beutler: «Wir sind ein normales Mittelklassehotel und versuchen, unsere Sache gut zu machen.»
Paul Beutler: «Wir sind ein normales Mittelklassehotel und versuchen, unsere Sache gut zu machen.» (© Melanie Roth)
Ein Hotel in Wildhaus hat es nicht einfach. Doch: Vielleicht wird alles anders, wenn Paul Beutler, Direktor des Hotels Sonne, seine Tochter an den Traualtar geführt hat. Denn dort wartet Roger Federer.
Melanie Roth

«Das Wandern in unserer Region ist sehr lässig.» Paul Beutler, Direktor des Hotels Sonne in Wildhaus, unternahm bis vor zwei Jahren kaum Wanderungen, heute packt in praktisch jeden Tag die Lust. Sagenhafte Touren stünden den Gästen zur Verfügung, wie zum Beispiel der Toggenburger Höhenweg, welcher in Wildhaus startet, oder der Toggenburger Sagenweg.

Wildhaus ist Zürich zu nahe
Obwohl die Gegend mit Natur pur auftrumpft, verliere Wildhaus laufend Logiernächte, bedauert Beutler. Ein grosses Problem: Früher war Zürich das grösste Einzugsgebiet. Heute kommen die Zürcher zwar immer noch gerne ins Toggenburg, aber nur noch als Tagestouristen. «Man ist so schnell überall und die Leute sind sich lange Strecken mit dem Auto gewohnt», meint Beutler. Wildhaus sei einfach zu nah bei Zürich. Und neue Kunden anzulocken, das sei halt schwierig.

Genau das versucht man seit einigen Jahren mit der Vermarktung des Toggenburgs als Klangwelt. Der Klangweg am Fusse der Churfirsten «zieht gewaltig», weiss Beutler. Deswegen würden die Logiernächte aber noch lange nicht überdurchschnittlich zunehmen.

Klangwellness soll Gäste anlocken

Im Hotel Säntis in Unterwasser, das neben den Hotels Sonne und Toggenburg in Wildhaus und dem Parkhotel Waldau in Rorschacherberg im Besitz der Familie Beutler ist, habe er selbst auch in Klangwellness investiert. Unter anderem soll eine Musikanlage, welche im Hallenbad Musikgenuss unter Wasser bietet, Besucher anlocken. Erst vor einem Jahr lanciert, sei der Erfolg von diesem Projekt aber noch schwer abzuschätzen.

Auch punkto Wasser  habe die Gegend etwas zu bieten, so Beutler. Die Thurwasserfälle in der Gemeinde Unterwasser ziehen Touristen an. Im Schwendisee oberhalb von Wildhaus kann gebadet werden.  «Weil sich der Eine oder Andere auch mal ein Blutegel einfängt, getrauen sich viele aber gar nicht erst rein», weiss Beutler. So habe er auch schon Gäste gehabt, welche die Abkühlung kurzerhand im Trinkwasser des Brunnens vor dem Hotel suchten.  

Wie ein Weltrekord im Cremeschnitte basteln
Dem Projekt von Ernst Bromeis steht der 64-Jährige eher unaufgeregt gegenüber: Sicher zeige dieser eine gute Leistung, am Ende sehe er das Ganze aber eher als Mediengag. «Ich finde das etwa so wahnsinnig, wie wenn jemand die grösste Cremeschnitte der Welt bastelt», gibt er lachend zu. Fügt aber an: Klar sei es wichtig, die Menschen zu sensibilisieren. Auf intelligente Weise.

Paul Beutler ist im Gastgewerbe aufgewachsen. Es sei einfach nie zur Diskussion gestanden, dass er etwas anderes macht, erklärt er. Seit 35 Jahren leitet Brunner das Hotel Sonne mit seiner Frau Brigitte. «Wir sind ein normales Mittelklassehotel, nichts Verrücktes, wir versuchen, unsere Sache gut zu machen.» Das grosse Glück der Beutlers: Die 30-jährige Tochter Petra wird das Hotel übernehmen. Und bald  Roger Federer heiraten. Zwar nicht diesen Roger Federer, aber wer weiss: Mit einer geschickten Marketingstrategie, witzelt Beutler, lassen sich so eventuell «cheibe viel Leute anziehen.»

  
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