Das Schweizerhaus in Maloja hat eine bewegte Geschichte. Vor 600 Jahren als Hospiz für Passüberquerer erbaut, kaufte der belgische Graf Camille Frédéric Maximilian de Renesse das Haus 1880. «Er hatte das Ziel, aus Maloja ein einziges grosses Resort zu machen», erklärt Jürg Wintsch, der das Schweizerhaus zusammen mit seiner Frau Karoline führt. Aristokraten aus ganz Europa sollten sich in Maloja zusammenfinden, sich in erstklassigen Hotels und Villen erholen und ihrer Spielfreude frönen.
Vom Hospiz zum Vier-Sterne-Chalet
Es sollte anders kommen. Das Einzige, was von den grossen Plänen am Ende umgesetzt wurde, war der Bau des Hotel Maloja Palace, das 1884 eröffnet wurde. Finanzielle Schwierigkeiten des Grafen brachten aber nicht nur dieses Haus in Schwierigkeiten, auch das Schweizerhaus sollte es lange Zeit nicht einfach haben.
Als Jürg und Karoline Wintsch das Hotel 1995 übernahmen, hatten die Vorgänger das Haus aber immerhin schon zu einem Drei-Sterne-Hotel gebracht. Mittlerweile führt das Paar das Schweizerhaus erfolgreich als Vier-Sterne-Betrieb. Vielleicht auch, weil das Hotel im Chaletstil «so absolut untypisch ist fürs Engadin», wie es Karoline Wintsch formuliert. «Von Aussen sieht das Haus immer noch gleich aus, im Innern hat‘s aber einige Investitionen gebraucht», führt ihr Mann aus.
Die Freizeit und die Liebe
Jürg Wintsch, in Zürich geboren, arbeitete das erste Mal 1984 für eine Saison in der Gegend. Saisonhotellerie sei ihm bis dahin unbekannt gewesen, erklärt er. «Klar wusste ich, dass es das gibt, aber die Vorstellung, ein Hotel zweimal im Jahr zu schliessen, fand ich irgendwie komisch», erklärt er. Er habe dann aber schnell Gefallen am Oberengadin gefunden, vor allem wegen all den Freizeitmöglichkeiten, welche die Gegend biete.
Ein weiterer Grund, im Oberengadin zu bleiben, dürfte seine Frau Karoline gewesen sein, die er 1991 kennenlernte. Die Österreicherin arbeitete im Hotel Monopol in St. Moritz an der Reception, er im Hotel Crystal. Gegenseitig habe man sich jeweils Reise-Gruppen zugeschanzt, und habe so regelmässig telefoniert. Als er sie 1991 das erste Mal live sah, hat‘s gefunkt.
Quellewasser und Niederschlag
Die Verbundenheit des Oberengadins mit dem Wasser, so das Paar, sei selbstredend, entspringe doch dort das Quellwasser von Inn, Maira und Julia erstmals aus dem Berginneren und scheide sich dann in drei Bahnen und Himmelsrichtungen. Der Inn fliesst via Donau in das Schwarze Meer. Die Maira verfolgt den Lauf des italienischen Po bis zur Adria und die Julia mündet über den Rhein in die Nordsee.
Eine Besonderheit bietet Maloja auch im Bezug aufs Wasser von oben, wie Jürg Wintsch erklärt. Wenn das Tief von Norden komme, habe man in Maloja drei bis fünf Meter mehr Niederschlag als der Rest des Oberengadins: «Wenn es hier beispielsweise einen Meter Schnee gibt, sieht St. Moritz maximal die Hälfte. Im Grunde genommen müsste das Skigebiet hier sein», meint Jürg Wintsch schmunzelnd.
Kraftort Maloja
Seit zwei Wochen wolle er unbedingt ins Unterland, um in einen See zu springen, erzählt er weiter. Das sei das Einzige, was er hier vermisse. Hier oben sei das nicht so prickelnd. Das Ernst Bromeis in den Silsersee steigt, finden die beiden aber toll. «Mich beeindruckt dieser Durchhaltewille», erklärt Karoline Wintsch. Neben der sportlichen Leistung seien vor allem auch die Präsentationen von Ernst Bromeis «Extraklasse», findet Jürg Wintsch.
Warum sich Bromeis gerade in ihrem Hotel gut erholen kann, da haben die beiden eine Vermutung. Sils sei ja als Kraftort vermarktet worden. Das strahle wahrscheinlich bis hierhin. Oder man habe da etwas falsch verstanden, und der eigentliche Ort der Kraft liege sowieso in Maloja.
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