Es ist ruhig im Hotel La Longeraie in Morges. Im Sommer finden sich die meisten Leute unten am See ein, der 400-500 Meter entfernt vom Hotel liegt. «Gerade zu dieser Jahreszeit ist es schwierig, die Leute von dort unten zu uns zu holen», erklärt Franz-H. Gilliéron, Direktor des Hotels. Dafür habe man hier seinen Frieden.
Vor dem Hotel liegt ein Park, es hat viele Parkplätze, das Hotel ist mit dem Auto und dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar. Perfekte Eigenschaften für ein Kongresshotel. So erwirtschaftet das La Longeraie denn auch den grössten Teil seines Umsatzes mit Businessgästen. Etwas problematisch: Das Hotel hat zwar 12 Konferenzräume, aber nur 48 Zimmer. Deshalb sei geplant, das Gebäude in naher Zukunft um 25 Zimmer zu erweitern, erzählt Gilliéron.
Der Retter in der Not
La Longeraie schaut auf eine religiöse Geschichte zurück. Das ehemalige Internat wurde von einem religiösen Orden geführt und 1984 von der Stiftung der katholischen Kirchen des Waadtlandes gekauft. Diese entschied, das Anwesen für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und liess es nach dem Projekt des Zürcher Architekten Miroslav Sik umbauen. Das alles brachte aber nicht den gewünschten Erfolg.
Im Jahr 2000 wurde das Zentrum deshalb in ein Hotel umfunktioniert. Mit Franz-H. Gilliéron holte man einen erfahrenen Berater ins Boot, der mit Religion gar nichts am Hut hat. «Das Projekt tönte interessant, und ich sagte zu, für drei bis fünf Jahre mitzuhelfen, aber nicht länger…», erzählt er. Er habe sich schon immer absichtlich schwierige Hotels ausgesucht. Sei solange geblieben, bis der Betrieb erfolgreich lief, und ging dann weiter.
Das nächste Projekt ist noch versteckt
Heute, nach zehn Jahren, ist der Waadtländer immer noch in der Blumenstadt. «Ich weiss nicht, normalerweise bleibe ich maximal sieben Jahre an einem Ort, aber es ist immer noch spannend hier.» Er wohne in La Tour-de-Peilz, seine Frau führe dort die Hostellerie Bon Rivage, er sei Vizepräsident des Verkehrvereins… «Ich habe halt einfach alles da», erklärt er.
Er habe das Glück, dass von acht der wichtigsten Stationen seiner
Karriere gerade eine nicht gut war, so Gilliéron. Ansonsten sei er seine
Aufgaben immer mit sehr viel Freude angegangen. Ob er nochmals eine
neue Herausforderung annehmen werde, das wisse er nicht. Die
Möglichkeit zu wechseln, die habe man immer: «Ich bin kein Sesselkleber
und man sollte immer etwas in der Schublade haben.»
Wein oder Wasser? Wir haben die Wahl
Früher, als er ein Hotel in Montreux geführt habe, sei er jeden Tag n den Genfersee gesprungen, erzählt der 60-Jährige weiter. Egal zu welcher Jahreszeit, denn am liebsten habe er das kalte Wasser. Seit er mit dem Reiten ein neues Hobby gefunden habe, schwimme er etwas weniger häufig. Zum Trinken habe er Wasser nicht so gerne, da bevorzuge er Wein, schmunzelt Gilliéron. «Wenn sie in dieser Gegend wohnen, müssen sie einfach Wein trinken.»
Wie privilegiert es ist, überhaupt die Wahl zu haben, dass weiss Gilliéron genau. Mit einer Stiftung hat er in Nord-Togo 50 Schulen aufgebaut. «Die grösste Schwierigkeit daran ist, Wasser zu finden.» Jedes Jahr packt er im Herbst seine Koffer, und reist zusammen mit seinem 18-Jährigen Sohn für drei Wochen nach Afrika. Dass dort alles anders ist, das wurde im richtig bewusst, als die Schüler einmal ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatten: «Die Kinder haben einen unglaublich langen Schulweg, es ist dunkel, wenn sie zu Hause ankommen. Und dort haben sie weder einen Tisch, noch haben sie Licht.»
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