das blaue wunder
22.07.2010
Hotel die Krone, Gottlieben (TG)
Das Besitzertrio: Raphael  Lüthy, Chef de Cuisine, Raymond Kronig, Hotelier, und Hausgrafiker Markus Greter.
Das Besitzertrio: Raphael Lüthy, Chef de Cuisine, Raymond Kronig, Hotelier, und Hausgrafiker Markus Greter. (© Melanie Roth)
Was machen ein Berner, ein Walliser und ein Bündner in der kleinsten Gemeinde des Kantons Thurgau? Sie führen ein Hotel ganz nach dem Motto: kopieren verboten.
Melanie Roth

Im Romantik Hotel Die Krone in Gottlieben macht schon das Besitzertrio den kleinen Unterschied. Raymond Kronig, Walliser und Hotelier, Hausgrafiker Markus Greter, halb Luzerner, halb Bündner, und Raphael Lüthy, Berner und Chef de Cuisine im Hause haben die Krone vor eineinhalb Jahren erworben. «Das hier ist keine One-Man-Show», sagt Raymond Kronig. Ihr Ziel sei es, aus dem Hotel etwas ganz Besonderes zu machen. Die oberste Maxime des Hauses: niemanden kopieren.

Während 30 Jahren wurde das Hotel am Rheinufer zwischen dem Boden- und dem Untersee auf sehr traditionelle Weise geführt. Zuvor hatte Starköchin Rosa Tschudi mit einer für die Zeit sehr modernen Art eine gehobene Kundschaft verzaubert. «Im weitesten Sinn knüpfen wir nun wieder am Konzept von Rosa Tschudi an», so Kronig. Denn übertragen auf die heutige Zeit lege man wieder mehr Gewicht auf Restauration, Design und Boutique.

In Jeans und mit Hotelkino

Der Namen des Hotels ist in Gottlieben gleichzeitig Konzept: Die 25 Hotelzimmer sind allesamt Fürsten- und Königshäusern in Europa gewidmet. Jedes Zimmer hat seine eigene Geschichte, welche direkt auf der Wandtapete geschrieben steht. Es sei gar nicht so einfach gewesen, das Leben der Adligen in sechs, sieben Sätzen zusammenzufassen, erklärt Markus Greter, und dabei spannend und unterhaltsam zu bleiben. Denn: «Schliesslich sind unsere Gäste hier in den Ferien, nicht in der Geschichtsstunde.»

Auch sonst wird versucht, im Hotel eine ungezwungene Ferienstimmung zu vermitteln. Dort, wo früher die Kellner im roten Mänteli und der Gastgeber nie ohne Krawatte herumliefen, arbeiten die heutigen Besitzer in Jeans. «90 Prozent unserer Besucher sind Feriengäste. Sie schätzen es, in legerer Kleidung eine luxuriöse Küche zu geniessen», so Kronig. Und getreu dem Motto erholt sich der Gast nicht in einer Wellnessoase, sondern im hauseigenen Kino.

Dorfschwimmen und Gesprächsrunde

Akzente setzen wollte das Trio auch im Bezug aufs Projekt von Ernst Bromeis. «Ich dachte mir: Er will doch zum Nachdenken anregen. Also überlege ich mir was», so Greter über seine Motivation. Der Zwischenhalt des Wassersportlers fand Eingang ins Eventprogramm des Hotels. Es wurde ein Dorfschwimmen organisiert, und am Abend zur Gesprächsstunde geladen. Immerhin ein Duzend Gottlieber – inklusive Markus Greter – sprangen nach Bromeis Ankunft nochmals mit ihm ins Wasser. Eine beschauliche Anzahl, befindet sich laut Greter doch die Hälfte des 300-Seelen-Dorfes in den Ferien.

Markus Greters Begeisterung für Bromeis kommt nicht von ungefähr, hat er doch sein eigenes Sportprojekt am Laufen. Sein Ziel: Mit dem Velo die Erde umradeln. Jedes Jahr sitzt er drei Monate auf dem Sattel und bringt ein weiteres Stück vom weltweiten Puzzle hinter sich. Mit 60 Jahren möchte er eine durchgehende rote Linie um den Globus gezogen haben. Bereits sind über 65'000 Kilometer abgestrampelt. Anders als bei Bromeis steht bei Greter aber keine Botschaft im Zentrum. «Wir haben aber beide ein Ziel, das wir erreichen wollen. Und da bin ich genau so ehrgeizig wie Bromeis», so Greter. In diesem Jahr geht es nach Kuba. Zusammen mit Lebenspartner Raymond Kronig. Diese Velotouren seien der perfekte Ausgleich und enorm wichtig, meint dieser. Denn: «So wird einem immer wieder bewusst, dass die Welt nicht nur aus Luxus und Gourmet besteht.»

  
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kommentare zu diesem artikel

Über Geschmack lässt sich streiten von Sabine Kramer (25.02.2011 08:36:10)
Natürlich spürt der Gast, wenn es hinter den Fassaden nicht rund läuft. Aber gleich Namen nennen und Gäste als Spitzel anwerben? Hört sich für mich sehr nach vergangenen Zeiten an, als Deutschland noch geteilt war...
Das Haus hat sehr viel Potential, eine tolle und vor allem einmalige Lage. Ich finde es sehr schade, dass man sich auf den Lorbeeren ausruht, die man noch gar nicht gesammelt hat.

Kann ich nicht empfehlen von Oliver Becker (04.11.2010 16:29:36)
Ich komme selbst aus der Umgebung und höre, vorallem bezogen auf die Besitzer, fast ausschliesslich negatives. Das Personal wird andauernd durch neues ersetzt und zurzeit arbeiten fast nur Lehrlinge im Hotel. Da könnte man schon meinen dass die billigen Arbeitskräfte ausgenutzt werden. Aufgesetzte Freundlichkeit und überteuerte Preise setzen dem ganzen DIE KRONE auf...

und noch einmal ich von Kronig Raymond (14.10.2010 18:00:11)
Liebe Frau Kramer, Markus Greter ist mein Mann und er arbeitet für die Grafik und Events bei uns. Ich selber arbeite fast ohne einen freien Tag während März bis Dezember. Dennoch, ich gönne meinem Mann, dass er sich seinen Lebenstraum erfüllt und ich indirekt von seinen enormen Erfahrungen profiteren kann. PS; möchte nicht jeder von uns etwas mehr Zeit haben seinen Traum zu erfüllen?

Der Chef selber von Kronig Raymond, Direktion (14.10.2010 17:55:47)
Liebe Frau Fessler, danke für ihren Komentar. Anbei meine Telefonnummer 078 817 85 85, ich finde es an sich nur fair wenn Sie mir nun telefonieren würden und mir genau sagen würden um was (wer) es sich handelt. Meiner Meinung nach habe ich wunderbare Mitarbeiter und wenn sich jemand unwohl fühlt, kann jede Mitarbeiterin, oder Mitarbeiter, mit mir sprechen.
Beste Grüsse aus Gottlieben, R. Kronig

Ansicht von Hildegard Fessler (09.10.2010 00:27:02)
Nach meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen das in diesem Hotel hinter der ganzen Fassade einiges schief läuft und das Personal nicht richtig behandelt wird, der ganze Schein trügt gewaltig mit friede, freude, Eierkuchen...

Luxus von Sabine Kramer (24.07.2010 09:07:13)
Ist natürlich schön, wenn man sich den Luxus eines 3monatigen Urlaubes pro Jahr leisten kann! In den meisten Fällen stehen dem Arbeitnehmer 5 Wochen Ferien zu!


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Direkt auf die Wandtapete der Hotelzimmer geschrieben stehen die Geschichte der europäischen Adligen. <nobr>   (© Melanie Roth)</nobr>
Dorfschwimmen mit Ernst Bromeis. <nobr>   (© Andrea Badrutt)</nobr>
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