das blaue wunder
04.07.2010
Hôtel du Rhône, Sion (VS)
Ernst Bromeis, Anne-Marie Minder und Physiotherapeut Gregor Fürer.
Ernst Bromeis, Anne-Marie Minder und Physiotherapeut Gregor Fürer. (© Andrea Badrutt)
Anne-Marie Minder, Besitzerin des Hôtel du Rhône, findet das Projekt von Ernst Bromeis sehr gut, hat selber mit Wasser aber gar nichts am Hut. Ins Schwärmen kommt sie, wenn sie vom Zentralwallis berichtet.
Melanie Roth

Nein, ein Traum sei es nie gewesen, irgendwann ein Hotel zu führen, erzählt Anne-Marie Minder. Dass sie nun trotzdem seit 32 Jahren das Hôtel du Rhône führt, hat die gelernte Treuhänderin der Liebe zu verdanken. Und heute sagt sie: «Ich habe einen der schönsten Berufe, die es gibt. Eigentlich ist es kein Beruf, es ist eine Berufung.»

Gutes Projekt mit schwierigem Auftrag
Ernst Bromeis und sein Projekt lernte Minder, die Mitglied der Verbandsleitung von hotelleriesuisse ist, an der diesjährigen Delegiertenversammlung in Flims kennen. Leider wisse in der Westschweiz kaum einer etwas vom Projekt des «Wasserbotschafters». Sie selbst finde die Idee aber sehr gut: «Das Wasser wird knapp, vielleicht nicht gerade bei uns in den Bergen, aber es gibt schon Orte in der Schweiz, bei denen die Lage ernster ist», weiss sie.

Dass es Bromeis auch schafft, mit seiner Mammutleistung die Leute für die Problematik zu sensibilisieren, glaubt sie weniger: «Es wäre schön, aber wenn ich dann sehe, wie Gäste teilweise stundenlang unter der Dusche stehen…» Auch der Versuch, es den Gästen zu überlassen, wie oft die Frotteewäsche im Bad gewechselt werden soll, sei gescheitert. Die Wäsche lag immer am Boden.

«Auch ich könnte mehr machen, wir alle könnten das»
Minder ist überzeugt: Bevor ein Umdenken stattfindet, müsste wirklich einmal Wasserknappheit herrschen, damit es jeder am eigenen Leibe erfahren würde. «Auch ich selber mache in dieser Hinsicht sicher nicht genug», gibt sie zu. Sie versuche, ihre Mitarbeitenden bezüglich Wasserverbrauch zu «erziehen», habe zum Teil Duschsparköpfe installiert, eine neue, wassersparsame Waschmaschine gekauft. «Aber ich könnte noch viel mehr machen, wir alle könnten mehr machen.»

Wenn Anne-Marie Minder beginnt, von der Region zu erzählen, kommt sie ins Schwärmen. «Das Zentralwallis ist eine wunderbare Region. Wir haben Seen, wir haben Berge, wunderschöne Weinberge, eine ungewöhnliche Artenvielfalt...», beginnt sie. Direkt neben dem Hotel findet sich das «Château de Valère», in welchem sich die älteste noch spielbare Orgel der Welt befindet. Eindrücklich seien auch die 2000 Kilometer langen Suonen, historische Bewässerungskanäle, welche das Wasser in offenen Gräben von den Gebirgsbächen auf Weiden, in die Weinberge und Obstplantagen bringen.

Auch eine Sonnenstube hat Sorgen
Was ihre Gäste besonders schätzen sei das Klima. «Viele kommen hier her und sagen: Bei ihnen scheint immer die Sonne», erzählt sie. Viele wüssten es nicht, aber hier liege die wahre Sonnenstube der Schweiz. Weil alles wächst, was angepflanzt wird, rede man auch vom  «Kalifornien der Schweiz». Kurz gesagt: «Das Wallis ist dort, wo die Menschen Ferien machen, und wir wohnen hier», freut sich Minder.

So schön dies alles klingt, auch im Wallis macht man sich Sorgen wegen dem tiefen Euro. Die Gäste wollen in die Berge, und dieses Erlebnis erhalten sie andernorts viel günstiger. Das mache ihr im Moment etwas Angst, sagt Minder, fügt aber an: «Wir jammern auf hohem Niveau, fast schon wie die Bauern.»

Lieber Erde als Wasser

Die gebürtige Glarnerin sagt, sie habe bei den Wallisern viele Elemente gefunden, welche alle Bergler hätten: Harte, starke Köpfe, Charakter. Es gehe zwar lange, bis man Kontakt finde, wenn man ihn aber einmal geknüpft habe, dann halte er das ganze Leben. Mit Wasser kann sie überhaupt nichts anfangen. Sie könne nur schlecht schwimmen, habe gerne Boden unter den Füssen. Ihr Element, das sei die Erde. Die Berge.

  
Werbung
ihr kommentar zum artikel
Was denken Sie zu diesem Thema? Schreiben Sie einen kurzen Kommentar, Ihre Meinung interessiert uns!


Betreff
Text
Hinweis: Es sind max. 400 Zeichen erlaubt.
   
Name
Email
   
Code
   * Bitte obenstehenden Code eingeben
   
   Ich bin mit den Spielregeln einverstanden


Weitere Bilder zum Artikel
Anne-Marie Minder ist Mitglied der Verbandsleitung von hotelleriesuisse. Sie zieht den festen Boden dem Wasser vor. <nobr>   (© Melanie)</nobr>
Direkt neben dem Hotel findet sich das «Château de Valère». Hier befindet sich die älteste noch spielbare Orgel der Welt. <nobr>   (© Melanie Roth)</nobr>
Weitere Artikel aus diesem Ressort