hotelarchiv
04.04.2010
Hotel Monte Rosa, Zermatt (VS)
Fotografie des Hotel Monte Rosa mit Blick auf das Matterhorn.
Fotografie des Hotel Monte Rosa mit Blick auf das Matterhorn. (© zvg/Seiler Hotels Zermatt)
zvg/Seiler Hotels Zermatt

1841, mit 22 Jahren, verlässt der Bauernsohn Alexander Seiler sein Dorf Blitzingen in der Goms-Region und versucht sein Glück in Süddeutschland, wo er das Seifensieden und Kerzenmachen erlernt. Ein Jahr später kehrt er in die Schweiz zurück, wo er zunächst als Handelsmann von Dorf zu Dorf zieht und Ware gegen Ware tauscht und schliesslich eine kleine Seifen- und Kerzenfabrik in Sion gründet, die sich mit Müh und Not über Wasser halten kann.

Sein Bruder Joseph, der 1847 zum Kaplan von Zermatt ernannt wird, ermutigt ihn, zu ihm ins 400-Seelen-Dorf zu kommen und dort eine Herberge zu gründen. Nachdem die ersten Fremden an der Wende zum 19. Jahrhundert misstrauisch, ja feindlich von den Einheimischen empfangen wurden und zunächst beim Pfarrer, ab 1839 beim Dorfarzt Lauber bescheiden Unterkunft fanden, verbesserte sich das Klima gegenüber Zermatt-Besuchern allmählich und die Gäste wurden zahlreicher. Alexander zögert drei ganze Jahre, bis er seinen Rucksack packt. Der erste Anblick des Matterhorns jagt ihm kalte Schauer über den Rücken – ein Gefühl, das ihn nicht mehr loslässt und dazu veranlasst, sich in Zermatt niederzulassen und den Traum des Kaplans zu verwirklichen.

Mit Hilfe von Joseph und dem zweite Bruder Franz, mietet er 1853 das Holzchalet des Doktor Lauber und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, als ein paar Schritte die Dorfgasse abwärts ein stolzer Hotelneubau mit dem Namen «Mont Cervin» aus dem Boden schiesst. Der Konkurrent heisst Josef Anton Clemenz, der sein Salär als Staatsrat ein wenig aufrunden möchte. Die beiden ersten Zermatter Sommer gehen für Alexander jedenfalls erfolgreich vorüber – schon am Ende des zweiten Betriebsjahres, am 22. November 1854, erwirbt er das Chalet, baut es von 6 auf 35 Betten aus und eröffnet es neu unter dem Namen «Monte Rosa»: 1867 kauft Alexander das «Mont Cervin» und vergrössert es von 68 auf 180 Betten.

Auch sein geliebtes Stammhaus «Monte Rosa» erfährt einen weiteren Ausbau auf 110 Gästebetten. 1871 kommt das Hotel «Jungfrau» auf dem Eggishorn hinzu; 1879 pachtet er den «Zermatterhof», den die Burgergemeinde errichtet hat. Ein Jahr später erwirbt er das «Hôtel des Alpes». Mit minimaler Unterstützung vom Kanton lässt er die Strasse durchs Tal verbessern sowie Wege zum Schwarzsee und zum Mettelhorn anlegen. Er kauft Land in Zermatt, betreibt Bauernhöfe, hält Rinder und Pferde – alles im Dienste seiner wachsenden Hotelbetriebe.

Obwohl die Gäste noch immer auf Maultieren oder in wackligen Kutschen aus dem Tal hinauf nach Zermatt gebracht werden, wächst die Besucherzahl Zermatts von Jahr zu Jahr. Von Abenteuerlust und den stürmischen Ereignissen der Zeit beflügelt, wollen immer mehr Menschen – allen voran die Gipfelstürmenden Lords und Gentlemen aus England – diese unbekannte, wilde Bergwelt entdecken und ihre Kräfte an den Stein gewordenen Provokationen messen.

1884, also mehr als ein Jahrzehnt vor dem Bau der Gornergratbahn, wird das monumentale Luxushotel «Riffelalp» eingeweiht, das Alexander unter grosser persönlicher Aufopferung und in minutiöser Planung erstellt hat; sämtliches Baumaterialien mussten per Maultier Transport in zehnstündiger Expedition von Visp auf 2222 Meter Höhe hinaufgefugt werden, da die Visp-Zermatt-Bahn zu dieser Zeit noch nicht existiert. Seine Erwartungen werden nicht enttäuscht, Das Hotel muss, kaum erstellt, um einen Anbau vergrössert werden, die Bettenzahl wächst von 150 auf 200. Mit der Unterzeichnung der Pachtverträge zu den Hotels «Schwarzsee» und «Gornergrat» im Jahr 1890 stehen – mit Ausnahme des «Hotel de la Poste» – alle Zermatter Gasthöfe und Hotels unter der Leitung von Alexander Seiler. Rund 1000 Gästebetten stehen zur Verfügung, 600 Menschen sind beschäftigt; die vielen Bergführer nicht mitgezählt. Eine regionale Zeitung schreibt: «Es gibt zwei Grossgrundbesitzer im Oberwallis: die Klosterfrauen und Seiler.»

Auch wenn die Freunde Alexander Seilers sowie zahlreiche Zermatter Gäste ihm ein Denkmal für seine Pioniertaten des Fremdenverkehrs zugestehen, in der Burgerschaft wollen sie ihn trotzdem nicht haben, 17 Jahre lang muss er kämpfen, bis ihm nach hartem Ringen und einer Reihe von Prozessen bis vor Bundesgericht das Burgerrecht zuerkannt wird. Für den wackeren Neuburger ist die «Green Card» eine Frage der Selbsterhaltung, er ist aber auch auf die Einbürgerung angewiesen – zum weiteren Ausbau seines Geschäfts, vor allem für die Nutzungsrechte der Wälder, Steinbrüche und Weiden zu gleichen Bedingungen wie die Neuburger. Als er den lang ersehnten Burgerbrief 1889 endlich erhält, ist er bereits ein gesundheitlich angeschlagener Mann.

Mittlerweile entwickelt sich der Tourismus an allen Fronten; elektrisches Licht ersetzt die Petroleumlampen, und die Eisenbahn Visp -Zermatt wird gebaut. Durch eine seltsame Fügung des Schicksals trägt im Jahr 1891 der erste fahrplanmässige Zug den Sarg mit den sterblichen Überresten Alexander Seiler hinunter ins Tal.

Mehr zur Geschichte: www.monterosazermatt.ch

Wettbewerb: 45 Personen haben mitgemacht, so viele wie noch nie. 34 Teilnehmende lagen richtig. Leoni Hegi aus Hölstein wurde
als Gewinnerin ausgelost. Sie erhält sechs Flaschen Contarini Schaumwein, gesponsert von der Haecky Holding in Reinach.

  
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Fotografie des Hotel Monte Rosa aus den 1920er Jahren mit Tennisplatz im Vordergrund. <nobr>   (© zvg/Seiler Hotels Zermatt)</nobr>
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