hotelarchiv
21.01.2010 11:16:07
Hotel Gurnigelbad (BE)
Ansichtskarte von Gurnigelbad 1905
Ansichtskarte von Gurnigelbad 1905 (© Hotelarchiv Schweiz/zvg)

Die Heilquelle beim späteren Hotel Gurnigelbad ist bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Sie gehörte zu den unzähligen heilenden Wassern, die in den Schweizer Alpen und Voralpen seit dem Mittelalter von einer zahlreichen nach Heilung und Vergnügen dürstenden Kundschaft aufgesucht wurden. 1591 entstand bei der Schwefelquelle ein erstes kleines Badehaus, das sich bis ins 18. Jahrhundert zu einem einfachen Kurhaus entwickelte. Die grosse Einsamkeit war vielen Gästen ein Pluspunkt, andern allerdings auch ein Nachteil: So beklagte sich Jeremias Gotthelf anlässlich einer Kur 1853 über «ein Stück Langerweile am Halse» während seines Aufenthalts im Gurnigelbad.

Der eigentliche Aufschwung zum mondänen Treffpunkt der Gesellschaft begann 1864 mit dem Kauf durch die berühmte Hotelierfamilie Hauser aus Luzern. Sie verwandelte das einfache Kurbad in ein schliesslich europaweit bekanntes Zentrum mit mehreren Gebäuden. 1869 konnte der damals noch junge Hotelarchitekt Robert Roller aus Burgdorf ein neues «Centralgebäude» erstellen. Mit über 500 Betten galt das Gurnigelbad um 1900 als grösstes Hotel der Schweiz. Den Tannenwald rund um den Gebäudekomlpex verwandelten die initiativen Eigentümer in einen grossartigen Naturpark, so dass ein begeisterter Kurgast 1900 bemerkte, dass «die Wälder von Gurnigel noch schöner [seien] als selbst die von Baden-Baden und Marienbad.»

In der Nacht vom 1. Mai 1902 fand die ganze Hotelherrlichkeit in einem Grossbrand vorerst ihr Ende. Wie ein Phönix aus der Asche entstand aber in knapp drei Jahren Bauzeit ein komplett neuer Hotelgigant nach Plänen des Berner Architekten Albert Gerster, in Zusammenarbeit mit den Berufskollegen Paul Lindt und Max Hofmann. Der 240 Meter lange Hotelkomplex bot seinen Gästen alle Annehmlichkeiten der damaligen Hotelbaukunst, wie mehrere grosse Säle, alle nur erdenklichen Privatsalons oder drei Personenaufzüge und eine Zentralheizung nach dem neusten Stand der Technik.

Nach erfolgreichen Jahren bis zum Ersten Weltkrieg brachten die Kriegsjahre einen schweren Einbruch für den Hotelgiganten. In der Zwischenkriegszeit wurde die abgeschiedene Verkehrslage eher zum Nachteil, viele ehemalige Stammgäste blieben nun aus. Der zweite Weltkrieg brach das Genick des einst erfolgreichen Betriebs endgültig. In den Kriegsjahren entschlossen sich die damaligen Besitzer zur Liquidation. Nach einem vorübergehenden Obdach für Flüchtlingsfamilien hatten die Gebäude ausgedient, 1946 wurde die einst stolze Hotelanlage abgebrochen. Übrig geblieben ist nur das ehemalige Gasthaus Ochsen, das heutige Hotel-Restaurant Gurnigelbad.

Wettbewerb: 14 von 18 Teilnehmenden haben das Hotel Gurnigelbad erkannt. Als Gewinnerin wurde Simon Aellig-Bumann aus Münster VS ausgelost. Wir gratulieren!


Dauerausstellung zur Geschichte des Gurnigelbades im Foyer des heutigen Restaurant-Hotel Gurnigelbad

 

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