hotelarchiv
23.06.2011
Hotel Edelweiss, Sils Maria (GR)
Beim Wettbewerb wurde gefragt, nach welchem berühmten Dichter und Denker das Haus neben dem Hotel Edelweiss benannt worden ist. Die Lösung: Friedrich Nietzsche. Die richtige Antwort der zweiten Frage zum Preis eines Doppelzimmers Deluxe im Monat Juni: Fr. 480.–. Die Informationen waren auf der Website des Hotels zu finden. Beide Fragen richtig beantwortet und beim Wettbewerb gewonnen hat Patrick Lüthi aus Wabern. Sein Gewinn: ein Buch mit Schweizer Hotelplakaten.
Beim Wettbewerb wurde gefragt, nach welchem berühmten Dichter und Denker das Haus neben dem Hotel Edelweiss benannt worden ist. Die Lösung: Friedrich Nietzsche. Die richtige Antwort der zweiten Frage zum Preis eines Doppelzimmers Deluxe im Monat Juni: Fr. 480.–. Die Informationen waren auf der Website des Hotels zu finden. Beide Fragen richtig beantwortet und beim Wettbewerb gewonnen hat Patrick Lüthi aus Wabern. Sein Gewinn: ein Buch mit Schweizer Hotelplakaten. (© Hotelarchiv Schweiz/zvg)

In diesem Stich gibt der Name Edelweiss den Ton an. Diese Blume ist nicht nur sonderbar in ihrem Erscheinen, sondern auch sehr kostbar. Der Name des Hotels spielte einst grosse Rolle. Er sollte bemerkenswert sein, Zeugnis ablegen und den Gast zum Kommen und Verweilen einladen. Das Edelweiss ist nicht eine gewöhnliche, unscheinbare Alpenblume, wie wir heute meinen könnten: Es ist eine zarte Blume, die nur an äusserst seltenen Orten zu finden war.

Man musste hoch hinauf und mutig sein, wollte man die Blume entdecken und die Chance haben, eine zu pflücken, ohne in den Bergen abzustürzen. Die Blume steht für Naturverbundenheit, im Stich ersichtlich durch die sonnige, windstille Lage des Hotels, dessen Nähe zum Wald, dessen freie Aussicht – alles Elemente des Oberengadins, wo es anfangs schwer war, die Touristen auch im Winter anzuziehen.

Auch der dekorierte Rahmen des Bildes weist auf die Natur hin. Die stilisierten Blumen konnte man in den Kacheln der Böden in den Hotelgängen bewundern. Sie waren rot, grün, blau und gelb. Die Muster waren vierteilig, sodass man sie unterschiedlich zusammenwürfeln konnte, um einen Korridor oder das Entree zu gestalten. Diese Kacheln waren strapazierfähig und konnten problemlos mit schweren Bergschuhen betreten werden.

Die besten Bodenkacheln wurden von Villeroy und Boch fabriziert. Um 1852 entdeckte man in Mettlach an der Saar, zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg, eine römische Villa, deren Restaurierung dem Keramikfabrikanten Eugen von Boch anvertraut wurde. Er und seine Techniker nutzten die Gelegenheit, um an neuen Fabrikationsprozessen für Bodenkacheln zu experimentieren. Das Geschäft lief so gut, dass 1866 eine Mosaikfabrik entstand und 1879 Villeroy und Boch eine zweite Fabrik in Merzig aufkaufen konnten. So wurde die Firma noch Ende des 19. Jahrhunderts die erste Bodenkachelnherstellerin der Welt. Die meisten Schweizer Hotels, die zwischen 1870 und 1914 erbaut worden sind, hatten einen oder sogar mehrere Keramikböden der Firma Villeroy und Boch, die heute in erster Linie für ihr Geschirr bekannt ist.

Bemerkenswert ist die Qualität der Kacheln, die sogar einen Umzug und eine Neunutzung aushalten: So finden wir die Kacheln, die die Veranda des 1875 gebauten Hotel National in Montreux zierten, heute in der Konsum Bar des Hotel Krafft in Basel. Noch ein Detail im Bild: Der Prospekt betont, dass das Hotel sorgsam bedient und die Führer zuverlässig sind. Im Vordergrund grüsst ein Herr mit gezücktem Hut ein spazierendes Paar. Höflichkeit gehörte offenbar zum Markenzeichen des Hotel Edelweiss, so zart wie die Blume...

  
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