«Ein schöner See, umgeben von markanten Bergen, einmalige Erlebnisse auf den Dampfschiffen, Wandergebiete…eigentlich hätten wir alles zu bieten in Uri.» Andrea Bonetti, welche die Hostellerie Sternen in Flüelen seit 23 Jahren führt, fügt aber gleich an: «Es ist schwierig.» Wirft man einen Blick von der Restaurantterrasse vor dem Hotel Richtung See, offenbart sich, warum: Die Strasse und die Eisenbahnlinie, welche in Flüelen zwischen jedem Hotel und dem See liegen, verunmöglichen es, den See als Verkaufsargument zu nutzen.
Warten auf das grosse Geschenk
«Es wäre eine grosses Geschenk für uns alle, würde man die Bahnlinie an einen anderen Ort verlegen», ist Bonetti überzeugt. Den vor allem der Güterverkehr sei ein grosses Handicap, donnere doch in der Nacht nicht selten alle zehn Minuten ein Güterzug vorbei. Die Zukunft sehe aber nicht gut aus. Für die Region wurde im Zuge der NEAT kein Geld gesprochen. «Wenn überhaupt, wird vielleicht erst in dreissig Jahren etwas passieren“, denkt Bonetti.
Um eine andere Sache, welche der Urnerin das Leben schwer machte, ist es mittlerweile glücklicherweise etwas ruhiger geworden. Als ihr Mann vor fünf Jahren an Krebs starb, stand sie vor der Entscheidung, das Hotel alleine weiterzuführen oder es zu verkaufen. «Es steckte soviel gemeinsam investierte Aufbauarbeit von meinem Mann und mir im Betrieb, für mich war klar, ich will das Hotel weiterführen», erzählt Bonetti.
Die Jahre nach dem Tod ihres Mannes waren dann aber alles andere als einfach. Probleme mit dem Personal belasteten sie bis aufs äusserste. «Wenn sie ein Hotel in Flüelen führen, ist es sehr schwierig, gute Mitarbeitende zu finden», sagt sie. Denn: «Kaum einer, der nicht hier aufgewachsen ist, findet Gründe, um nach Flüelen zu kommen.» Aufgegeben hat Bonetti trotz grossen Problemen aber nie, und «nein, verleidet ist es mir bis heute nicht», so Bonetti. So führt die ehemalige Arztgehilfin heute ein Team von rund zehn Personen erfolgreich alleine.
Der Apostel und die Wasserratte
Geht es um das Thema Nachhaltigkeit, «sei sie ein kleiner Apostel im Betrieb», sagt Bonetti schmunzelnd. Die Mitarbeitenden würden sie oftmals mit grossen Augen anschauen, wenn sie wiedermal vom sparsamen Umgang mit dem Wasser predige. Nicht verstehen könne sie die Haltung einiger Gäste, welche sich über den Preis für Trinkwasser beschweren. Schliesslich sei Wasser eben wertvoll. So findet es Bonetti auch sehr wichtig, dass sich Leute wie Ernst Bromeis als Wasserbotschafter einsetzen.
In ihrem Betrieb findet sich mit Laura Planzer eine «richtige Wasserratte», welche Bromeis im Wasser zumindest bezüglich Eleganz Konkurrenz machen dürfte. Die 25-Jährige absolviert gerade ihr einjähriges Praktikum als Köchin in der Hostellerie Sternen. Als ehemalige Synchronschwimmerin verbrachte sie früher praktisch jeden Tag im Wasser. Seit sie arbeite, sei die aktive Ausübung dieser Sportart aber unmöglich: «Synchronschwimmen ist sehr zeitaufwändig, es dauert lange, bis man etwas zu Stande bringt, das auch schön aussieht», erklärt Planzer.
Aufs Wasser verzichten will sie deswegen aber noch lange nicht und nutzt jede Zimmerstunde, um kurz ins kühle Nass zu springen. Ausserdem trainiert sie seit kurzem die Nachwuchssynchronschwimmerinnen. Mehr lässt ihr Engagement in der Küche leider nicht zu. Auf die Frage, ob Bromeis vor seinem grossen Tag etwas Spezielles auf den Teller gekriegt habe, sagt sie: «Es gab ein 3-Gang-Menü, und auf jeden Fall waren extra viel Kartoffeln drin.»
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