Wir möchten Ende Januar gerne ein Wochenende an Ihrem Familien-Ort verbringen. Wir sind eine Familie mit zwei kleinen Buben, 3- und 4½-jährig. Zudem wird uns die 65-jährige Grossmutter der Kinder begleiten. Wir Eltern sind leider nicht so sportlich. Könnten Sie uns bitte einen Vorschlag unterbreiten, wo wir übernachten und was wir unternehmen können?» Diese Mail-Anfrage hat die Redaktion der hotel revue htr unter anderem Namen an neun Schweizer Familien-Orte, drei österreichische und drei deutsche familienfreundliche Orte oder Regionen geschickt.
Das Gute vorweg: Acht der neun angefragten Schweizer Familien-Orte haben noch am gleichen Tag geantwortet. Bei Les Diablerets kam das Mail einen Tag später als unzustellbar zurück. Aus Österreich und Deutschland sind die meisten Antwortmails ebenfalls gleichentags oder am Tag danach eingetroffen.
Alle Schweizer Tourismusorganisationen, mit Ausnahme von Engelberg und Andermatt, haben Hotels oder Ferienwohnungen aufgelistet. Das Tourismusbüro Engelberg informiert den potenziellen Gast, Ende Januar seien alle Hotels besetzt, und schickt einen Link, wo er Pensionen finden kann. Später teilt die Mitarbeiterin der Tourismusorganisation mit, sie verfüge in ihrem Buchungssystem lediglich noch über freie Doppelzimmer. Wo, wird nicht gesagt. Andermatt fügt Links an mit Unterkunftsmöglichkeiten. Die Tourismusorganisation mailt, sie habe die Anfrage an alle Hotels und Privatzimmer in Andermatt weitergeleitet - und hat am gleichen Abend versucht, den Anfrager telefonisch zu erreichen. Das The River House Boutique Hotel teilt später mit, es sei ausgebucht, rät, kurzfristig telefonisch anzufragen, ob ein Zimmer durch eine Annullierung frei geworden sei.
Das Diemtigtal ist auf alle Anliegen eingegangen
Savognin schickt zwei Mails, eines mit Übernachtungsmöglichkeiten, eines mit Tipps, was man unternehmen kann und Tage später per Post ausführliche Unterlagen über den Ort. Auch Davos Klosters sendet später auf postalischem Weg noch ein ganzes Sortiment an Print-Unterlagen nach. Leysin, Schwarzsee und Grächen mailen lediglich Hotels- und Ferienwohnungs-Vorschläge. Ohne Hinweise auf kinderfreundliche Freizeitmöglichkeiten.
Testsieger ist für die hotel revue htr das Diemtigtal. Auf erfrischende, sehr persönliche Art und Weise, fast wie von Freunden zu Freunden schreibt Barbara Karlen von Diemtigtal Tourismus der Familie, was sie unternehmen kann und wo sie übernachten soll. So rät sie ihren potenziellen Gästen etwa, mit der Sesselbahn zur Bergstation zu fahren und dort nach zwei Minuten Fussweg das kleine Beizli mit Sonnenterrasse zu geniessen. Kurz und einfach, wohltuend anders als die Standardantworten. 100 Punkte erhält das Diemtigtal dennoch nicht: Dass weder Hotelbeschrieb noch Internetadresse des Hotels angegeben sind, führt zu einem kleinen Punkteabzug.
Auffallend: Keiner der Schweizer Familien-Orte hat Hotels angegeben, die sich als besonders kinderfreundlich bezeichnen. Hie und da bietet ein Hotel Familienzimmer an oder gibt an, auch für Familien geeignet zu sein. Leysin etwa führt ein gastfreundliches Familienhotel auf. Keins der Hotels in den Familien-Orten listet Spielmöglichkeiten oder Kinderhütedienst auf. Es fehlt generell an Kinderermässigungen und Packages. Fazit: Die Rückmeldungen unterscheiden sich wohl kaum von jenen Orten, die kein Label «Familien willkommen» erarbeitet haben.
Destinationen und Regionen in Deutschland und Österreich
Die htr-Testperson hat zu den neun Schweizer Destinationen zusätzlich je drei Orte oder Regionen in Deutschland und Österreich angefragt. Garmisch Partenkirchen schickt ein Mail mit standardisierten Flyern mit Sehenswürdigkeiten, Kinderprogramm und diversen Freizeitmöglichkeiten. Um Übernachtungsmöglichkeiten zu unterbreiten, braucht die Tourismusorganisation ein genaues An- und Abreisedatum. So auch Oberstdorf, das keine Freizeitangebote angibt. Aus der Region Schleswig Holstein trifft eine automatische Antwort ein mit dem Hinweis, die Anfrage werde bearbeitet. Das geschah vor Redaktionsschluss nicht (3 Tage).
Das österreichische Neukirchen schickt mehrere Mails. Obwohl der Anfrager klar von einem Wochenende spricht, betreffen sämtliche Mails Ferienwohnungen mit Preisangaben ab 13 Nächten. Dies, obwohl das Tourismusbüro Bramberg «massgeschnei- derte Angebote» in Aussicht stellt. Auf den Wunsch nach Freizeitangeboten wird nicht eingegangen. Auch der Familien-Ort Serfaus berücksichtigt dieses Anliegen des Anfragers nicht. Die Tourismusorganisation gibt die «zur Zeit der Anfrage freien» Übernachtungsmöglichkeiten an. Diese sind mehrheitlich in Ferienwohnungen zu finden. Neben dem Hotel Garni mit vier Sternen und einem 5-Sterne-Superior-Wellness-Hotel ist auch ein 4-Sterne-Hotel in Fiss aufgeführt. Hier heisst es immerhin, dass sich «Mami, Papi, Oma und Opa und natürlich die Kinder aller Altersgruppen» in diesem Haus wohlfühlen werden. Die Region Steiermark hat auf die Anfrage bis Redaktionsschluss (rund 1 Woche) nicht geantwortet.
Roland Zegg von Grischconsulta ist überzeugt: Der Sommer in der Schweiz hat Zukunft. Nun brauche es passende Angebote. 
«Kreativ sein» heisst das Motto in Graubünden, im Berner Oberland und Wallis diesen Sommer. Die Hotels locken die Gäste mit speziellen Angeboten. 
Der Klimawandel betrifft nicht nur den Winter, sondern auch den Sommer. Nicht nur im negativen Sinne - doch gilt es, die positive Auswirkung «Sommerfrische» gezielt zu vermarkten. 
In diesem Sommer fokussieren die Schweizer Tourismusverantwortlichen vor allem auf den Inland-Markt. Alle Touristiker rechnen mit einem Logiernächte-Minus. 
Bergbahnen setzen vermehrt auf das Sommergeschäft. Sie forcieren es mit innovativen Produkten und Preisvergünstigungen. 
In den Nachbarländern steigt die Zahl der Sommer-Logiernächte. Österreich setzt auf Wandern und Geniessen, Südtirol auf alpine Kompetenz und Bayern auf Aktivurlaub. 
Die Wanderer von heute sind jünger und anspruchsvoller: Modische Wanderbekleidung und ein gutes Essen danach gehören heute immer mehr dazu. 
Graubünden wirbt in diesem Bergsommer um die Familien. Kinder bis 12 Jahre übernachten in 160 Bündner Hotels gratis, bis 15-Jährige mit mindestens 50 Prozent Reduktion. 
Zielgruppe: gut situierte Singles, Gays, Lesben. Die Hotels: das Aviva in Oberösterreich und das Axel Hotel in Berlin. Zwei unkopierte Erfolgsstorys. 












Das Label «Familien willkommen» verhilft zur klaren Positionierung. Gegen innen und aussen.
In den Zimmern des Hotel Drei Raben werden Geschichten erzählt. Nürnberger Mythen. Es sind Erzählungen aus der Umgebung, mit der sich der Gast so auseinandersetzt.
Wohnen in Bäumen, genau gesagt in Baumhäusern. Das können Gäste im Norden Deutschlands. Sei es im Design-Baumhausdorf oder im Baumhaushotel.