Glaubt man den Expansionsabsichten der gastronomischen Franchisegeber, so stünde der Schweiz eine regelrechte Franchise-Schwemme bevor: Bis Ende 2011 will Segafredo Zanetti zehn weitere Cafébars eröffnen, Caterer DSR will 14 «Mezzo di Pasta» bis 2014 zählen, McDonald’s plant, jedes Jahr drei bis fünf Betriebe zu eröffnen, Vapiano strebt mittelfristig sechs bis acht an, Migros gesamthaft 15 bis 20 «Cha-Cha»-Fast-Casual-Restaurants, Le Pain Quotidien zehn Standorte und Hooters-Franchisenehmer Stefan Kirchhofer visiert sechs Lokale an. Doch der Blick in die Schweizer Franchise-Historie zeigt, dass es meist anders kommt als geplant. Pizza Hut, Wendy’s und Kentucky Fried Chicken sind Beispiele für US-Franchise-Ketten, die bereits auf dem Schweizer Markt scheiterten. Obwohl Subway weltweit heute das grösste Franchisesystem ist, musste die Sandwich-Kette vor rund zehn Jahren aus der Schweiz wieder abziehen. Das Comeback kam dann 2007. Inzwischen zählt man sechs Standorte und versucht mit mehr Swissness sein Glück: Statt auf Plastikstühlen sitzt man nun hierzulande auf Holz, das Fleisch kommt von Bell und ein Vollkornbrot ergänzt neu das Sortiment. Swissness scheint ebenso für McDonald’s die Erfolgsformel: Plakat-Aktionen und einschlägige Burgerkreationen zeugen davon.
Unsicherheit verbreitet der Franchisegeber aber auch, wenn er auf anderen Märkten scheitert: Cha-Cha hatte im Heimmarkt Deutschland diesen Sommer mit einem Insolvenzverfahren zu kämpfen, welches jedoch gemäss Lizenznehmerin Migros wieder geschlossen ist, der Detailhändler hält am Konzept weiter fest, die Standorte arbeiteten profitabel. Das Gleiche beim US-Konzept Hooters in Deutschland: Ein Lizenznehmer ist in finanzielle Schieflage geraten, mehrere Standorte sollen betroffen sein.
Bei der laufend vom Umsatz abzugebenden Franchise-Fee sind die Unterschiede je nach Konzept erheblich (siehe Tabelle unter Downloads oben rechts): Bei McDonald’s beträgt der Betrag je nach Lage zwischen 11 und 20% plus 4% Marketinggebühr. Immerhin kann ein Franchisenehmer in seinem Outlet täglich im Durchschnitt 1100 Burger verkaufen. Bei Burger King ist die Fee mit 10 % halb so gross, bei Segafredo fallen nur 4% an. «Die Franchise-Fee ist ein substanzieller Teil vom Gewinn, der weggeht», stellt Stefan Kirchhofer klar.
Christoph Wildhaber vom Schweizer Franchiseverband rät dem Franchisenehmer, im Vorfeld einen Businessplan zu machen und abzuklären, welche Kosten er durch die Leistungen des Franchisegebers einsparen kann und ob die Rechnung dann noch aufgeht. Ist ein Franchisevertrag mal unterschrieben, gilt oft eine Laufzeit von 10 bis 20 Jahren, damit die Lokal-Investition in dieser Zeit amortisiert werden kann. Nur bei «Unzumutbarem» kann fristlos von beiden Seiten gekündet werden: Wie wenn der Geber seine Leistungen nicht erbringt oder der Nehmer seine Fee nicht bezahlt.
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