In der Schweiz tragen zurzeit 24 Destinationen das Label «Family Destination». Sechs neue Orte bewerben sich um das Familien-Label: Ascona-Locarno, Château-d’Œx, Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG, Unesco Biosphäre Entlebuch/ Sörenberg Flühli, Région Yverdon-les-Bains/Jura-Lac und Zermatt. Die Qualitätssicherungs-kommission, die auch die Kriterien erarbeitet, wird darüber entscheiden, ob die Orte mit dem Label zertifiziert werden. Für den Kontrollbesuch bezahlen die Orte dem Schweizer Tourismus-Verband (STV), der Geschäftsstelle der Familien-Orte, 3500 oder 4000 Franken. Egal, ob sie aufgenommen werden oder nicht. 2500 Franken müssen die Familien-Orte dann für die jeweilige Erneuerung des Labels berappen. Der STV ist Träger der Qualitätskommission und hat das Präsidium inne. Vertreten sind unter anderem Schweiz Tourismus und die zertifizierten Orte.
Fabienne Känel, Product Manger für die Familien-Orte beim STV, ist mit der Anzahl zertifizierter Orte zufrieden. «Wir haben keine quantitativen Ziele. Doch wir freuen uns, wenn die Zahl so bleibt und die sechs Interessenten aufgenommen werden können.» Die Anzahl der 1996 gegründeten Familien-Orte sei denn auch über die Jahre stabil geblieben. Bei der letzten Zertifizierung sind zwar sechs Orte ausgeschieden, was jedoch auch mit der Destinationsbildung zusammenhänge.
Die grössten Stolpersteine der Orte sind die Beherbergungsmöglichkeiten, sagt Fabienne Känel. Es brauche hier Hotels und Ferienwohnungen, die sich für das Label engagierten. Von der Infrastruktur her indes seien alle Orte gut aufgestellt.
Neu sorgt das BFU für mehr Sicherheit der kleinen Gäste
Für die Zertifizierungsphase 2013 bis 2017 - das Label wird alle drei Jahre überprüft - werden die Kriterien der Familien-Orte angepasst (siehe Artikel oben rechts). «Einige Punkte sind inzwischen veraltet», erklärt Fabienne Känel. Etwa die Anforderung, der Hotelier müsse über ein Babyphone verfügen. «Heute haben alle Eltern Handys.» Auch der Wasserkocher hat ausgedient. Wer einen Schoppen wärmen will, könne das in der Hotelküche tun. Und das Raucherproblem hat sich inzwischen auf Gesetzesebene gelöst. Das heisst: Generell werden die Anforderungen an die Leistungsträger kleiner.
Die wichtigste Änderung betrifft die Zusammenarbeit mit dem BFU, der Beratungsstelle für Unfallverhütung. Das BFU hat bereits alle ausgezeichneten Familien-Orte besucht und einen Technischen Bericht erstellt. Dieser ist Voraussetzung für die künftige Zertifizierung. Denn es geht um die Sicherheit der kleinen Gäste. So werden etwa Geländer, Brüstungen, Wasser und Glas kontrolliert, aber auch die Gästekommunikation. «So ist es etwa wichtig, dass die Kinder in den Broschüren und auf den Websites beim Skifahren Helme tragen», gibt Fabienne Känel ein Beispiel. Ein Vertreter des BFU hat die Situation mit den Credo-Betrieben, jenen Leistungsträgern, die sich für das Familien-Label entscheiden, vor Ort kontrolliert und mit ihnen Verbesserungsmassnahmen ausgearbeitet, die 2016 in den Kriterienkatalog aufgenommen werden.
Für Fabienne Känel ist das Label «Family Destination» einmalig. Eine entsprechende Auszeichnung gebe es weder in Österreich noch in Deutschland. «Frankreich hat ein vergleichbares Label für den Winter. Deshalb interessiert sich das Land für unsere ganzjährige Auszeichnung», hält sie fest. Oft erhalte sie auch Anfragen von Schweizer Hotels und Ferienwohnungen, die sich als kinderfreundlich positionieren wollen. «Doch die können das Label nicht erarbeiten, weil es nur Orten verliehen wird.»
Neu plant der STV im November 2012 einen Label-Tag für Familien-Orte und Wellness-Orte. An diesem Tag werden die Vertreter der Credo-Betriebe darüber informiert, wie sich der Ort noch besser positionieren lässt.
Das Label soll bekannter werden
Vermarktet werden die Orte über Schweiz Tourismus (ST). So werden dort beispielsweise in den Familienkampagnen lediglich zertifizierte Familien-Orte berücksichtigt. «Gewisse Orte beteiligen sich jedoch aus finanziellen Gründen nicht an der Kampagnen von ST», sagt Fabienne Känel.
Das Label mit dem roten F ist auf der ST-Homepage nicht sichtbar: die Familien-Orte sind ohne Label aufgeführt. Nicole Diermeier, ST-Marketingleiterin: «Gemäss unseren Erfahrungen werden zu viele Logos auf einer Seite oder bei einer Destination vom Leser nur schwer wahrgenommen.» Aus Usersicht sei es wichtig, möglichst schnell die für sich passende Familien-Destination finden zu können. Deshalb hat ST eine Selektor-Box aufgeschaltet, die hilft, die Familien-Orte einfach zu finden. Mit dem Relaunch des Familienprodukts im Rahmen der neuen Partnerschaft mit Swisscom soll die Bekanntheit des Labels optimiert werden, so Nicole Diermeier. Dabei werde nicht nur der familienspezifische Content ausgebaut, sondern auch die Instrumente und Massnahmen erweitert. So ist etwa ein Familien-Finder geplant. «Diese Optimierungen ermöglichen nicht zuletzt auch den Familien-Orten und Kidshotels neue Plattformen und eine erhöhte Visibilität.»
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