Familien sind ein dankbares Gästesegment. Nicht nur, weil sich Familien immer wieder neu bilden und so als Standbein stabil bleiben. Oftmals kehren Eltern mit ihren Kindern nach Jahrzehnten zurück in den Ferienort ihrer Kindheit. Eine Gästebindung ohnegleichen.
Die österreichische Destination Serfaus-Fiss-Ladis hat diese Vorteile früh erkannt und spezialisierte sich bereits Ende der 80er-Jahre auf Familien. Etliche Millionen Euro wurden investiert, um die Region für dieses Segment besonders attraktiv zu machen. Franz Tschiderer, Obmann des Tourismusverbandes und Geschäftsführer der regionalen Marketingorganisation, ist von der Strategie überzeugt: «Man konzentriert seine Kräfte auf eine bestimmte Zielrichtung und wird dadurch bedeutend leistungsstärker.» Der Erfolg gibt ihm Recht: Seit über zehn Jahren freut man sich in Serfaus-Fiss-Ladis über Nächtigungszuwächse - im Sommer haben die Logiernächte in dieser Zeitspanne um über 50 Prozent zugenommen. «Wenn man nur auf ein Standbein setzt, sind die Chancen höher als das Risiko», sagt Tschiderer.
Hotels setzen ganz auf die kleinen Gäste
Voll und ganz der Familie verschrieben haben sich auch die Hotels Löwe & Bär in Serfaus. Tschiderer hatte das Hotel Löwe 1981 von den Eltern übernommen «und sofort die Spezialisierung in Richtung Familie in Gang gesetzt». Durch eine Fusion im Familienkreis kam später das Hotel Bär dazu. Per Ende 2011 hat sich Tschiderer als Geschäftsführer und Miteigentümer aus den Hotels zurückgezogen. Am Hotel Löwe, das auch Gründungsmitglied der Kinderhotels Europa ist, hält er weiterhin Anteile. In den beiden Hotels scheint sich die Spezialisierung auf Familien auszuzahlen. Auf Anfrage der hotel revue liess die Marketingabteilung ausrichten, man wünsche keine Veröffentlichung ihres Erfolgsrezeptes in einer Fachzeitung. Eines ist klar: Buchungen sind dort nur möglich, wenn Kinder mit dabei sind.
In Braunwald sind auch Gäste ohne Kinder willkommen
Ganz so streng nimmt es das Märchenhotel Bellevue in Braunwald nicht. Auch Gäste ohne Kinder sind willkommen, erhalten gar ein extra ruhiges Zimmer. Trotzdem lebt das Hotel von den Familien. «In den letzten Jahren spezialisierten wir uns immer mehr und investierten dementsprechend», erklärt Patric Vogel, der das Hotel im vergangenen Jahr von seinen Eltern übernommen hat. «Natürlich haben wir uns die Frage gestellt, ob die Positionierung nach wie vor Sinn macht», so Vogel. Man sei zum Schluss gekommen, dass man darauf aufbauen kann und will. «Der Vorteil ist, dass der Gast weiss, was ihn erwartet. Und mit dem Klumpenrisiko muss man umzugehen wissen», ist Vogel überzeugt. So fokussiert das Hotel ausserhalb der Schulferien auf nicht-schulpflichtige Kinder. Dass das Märchenhotel in einer Hinsicht aber auch privilegiert ist, liegt auf der Hand: «Der ganze Ort ist familienfreundlich und autofrei, das unterstützt uns natürlich», sagt Vogel.
Auch das Diemtigtal eignet sich vom Gelände und der touristischen Infrastruktur her bestens für Familien. Das Tal wurde vor drei Jahren erstmals vom Schweizer Tourismus-Verband STV mit dem Gütesiegel «Familien willkommen» ausgezeichnet. Bruno Reber, Geschäftsleiter Diemtigtal Tourismus, zieht eine positive Bilanz. «Im vergangenen Jahr sind die Übernachtungen gestiegen», erklärt er. Natürlich bringe das Label auch Verpflichtungen mit sich, dafür sei es aber ein gutes Verkaufsargument. Die Vorteile auch in den Köpfen der Leistungsträger zu verankern, brauchte seine Zeit. «Hoteliers etwa waren oftmals der Überzeugung, schon genügend familienfreundlich zu sein», erklärt Reber. Nach etwas Überzeugungsarbeit kam die Einsicht, dass Verbesserungen nötig und sinnvoll sind. Nur gerade auf das eine Standbein setzen will man im Diemtigtal aber dennoch nicht. «Mit dem Naturpark sprechen wir andere naturnahe Gäste an, auch ältere Gruppen. Das ergänzt sich sehr gut», hält Geschäftsleiter Bruno Reber fest.
Nicht mehr auf Familien spezialisieren will sich in Zukunft Maloja. Ende 2012 ist Schluss mit dem Label «Familien willkommen». «Vor zehn Jahren erschien uns das Segment interessant, aber die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt», erklärt Sara Roloff, Mediensprecherin Destination Engadin St.Moritz. Viele Hotels hätten ihre Angebote inzwischen angepasst und positionierten sich selbstständig in den verschiedensten Sparten. Daraus ziehe man nun die Konsequenz, hält Sara Roloff fest: «Für uns ist es deshalb sinnvoller, die Region breiter zu positionieren.»
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