Ganz oben wird noch betoniert, der Wind pfeift durchs Gemäuer. Weiter unten installieren Handwerker bereits die Lüftungen. Die rund 50 Baustellen-Profis im «Belvoir» haben atemberaubende Aussicht: Aus der Höhe von Rüschlikon schweift der Blick weit über den Zürichsee. Zeit für frohen Ausguck hat hier aber keiner, die Zeit drängt: Diese Woche ist das Aufrichtefest geplant, das Startsignal für den Innenausbau. 21 Monate dauert der Umbau, der aus dem einstigen 26-Zimmer-Haus eines mit 60 Zimmern macht. Baubeginn war Mitte 2009, man nimmt nun also das letzte Drittel des 28-Millionen-Projekts in Angriff. Das «Belvoir», lange Jahre im Besitz der Gemeinde Rüschlikon, wurde im Herbst 2008 von Investor Heinz Meier – auch Besitzer des Hotels Sedartis in Thalwil – erworben.
Wenn das Hotel Belvoir am 2. April 2011 wieder öffnet, erinnert fast nichts mehr an früher. Das Haus wird von dreieinhalb auf fünfeinhalb Stockwerke vergrössert, es erhält eine 400-Quadratmeter-Wellnesszone und wird von drei auf acht Seminarräume erweitert. Statt «Umbau» ist «Neubau» treffender. Nur etwa zehn Prozent der alten Baumasse – rückwärtige Bereiche, Keller und Garage im Untergeschoss – bleiben; 90 Prozent werden neu hinzugefügt.
1200 Meter Luftlinie trennen Sedartis in Thalwil und Hotel in Rüschlikon. Martin von Moos, Geschäftsführer beider Häuser und künftiger «Belvoir»-Direktor, legt die bergige Strecke oft zurück. Der Hotelier pflegt zwischen all den Baufachleuten unter anderem den Reality-Check: «Was Architekt und Innenarchitektin empfehlen, überprüfe ich auf Alltagstauglichkeit. Ich möchte antizipieren, wie sich beispielsweise Wege, Bodenbeläge oder Tischgrössen im betrieblichen Ablauf bewähren.» Details entscheiden: «Dauert der Zimmer-Reinigungsvorgang beispielsweise zehn Minuten länger, kann das aufs Jahr hinaus zehntausende Franken kosten.»
Die Architektur thematisiert die Lage. Das «Belvoir» steht an einer Moränenkante, die der Linthgletscher vor Urzeiten auftürmte. Im Hotel wird das gezeigt, indem drei Baukörper gegeneinander verschoben errichtet werden. Spalte, Risse und Brüche dazwischen ermöglichen Lichteinfall. Zu einem Bruch kam es auch in der Führung. Man trennte sich vom vormaligen Direktor Christian Caflisch, der ursprünglich auch ab April 2011 wieder als Gastgeber gesetzt war. «Belvoir»-Besitzer Heinz Meier sagt, dass man sich nach der Schliessung des «Belvoir» unter anderem von Caflisch getrennt habe, weil es wohl schwierig für ihn gewesen wäre, fast zwei Jahre ohne festen Job dazustehen. Caflisch sagt öffentlich nichts dazu. Tempi passati, jetzt rückt der 2. April 2011 in den Fokus. Der künftige Direktor von Moos freut sich, dass er bereits diverse Seminare und Veranstaltungen in den Büchern hat. Plus zwölf Hochzeiten, die seinen Gästen im «Belvoir» den Weitblick aufs Leben ermöglichen.
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