Mindestens ein Standort in Moskau gehört heute für jede Hotelkette mit internationalen Ambitionen zum Pflichtstoff. Ähnliches gilt für Prag, Budapest oder St.Petersburg. Aber auch andere Städte in Osteuropa werden für die internationale Hotelindustrie immer interessanter. Nach der politischen Öffnung vor 20 Jahren mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat auch eine rasante Entwicklung der lokalen Volkswirtschaften für deutlich lukrativere Standortfaktoren im Osten gesorgt.
Swissôtel: Wachstum in osteuropäischen Hotels grösser
Diesem Umstand trägt zum Beispiel Swissôtel Rechnung. Die internationale Hotelkette mit Schweizer Wurzeln ist in Moskau und Tallinn (Estland) mit je einem Betrieb vertreten. Beide erzielen im Mittel aller Swissôtels überdurchschnittliche Wachstumsraten. «Die Erfolge bestärken die Gruppe, auf dem osteuropäischen Markt zu expandieren», sagt die Sprecherin Eva-Maria Lindner. Zurzeit befindet sich in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ein weiteres Swissôtel im Bau, das Mitte 2012 eröffnet werden soll. Neben ihrer kulturellen Attraktivität ist die Stadt auch Firmensitz für immer mehr internationale Firmen aus der Stahl-, Chemie-, Maschinen- oder Flugzeugindustrie. Dazu Lindner: «Das macht Kiew, wo eine hochstehende Kettenhotellerie bisher noch kaum stattfindet, für uns interessant». Weitere Wachstumspläne verfolgt Swissôtel vor allem in Russland.
Das grösste Land der ehemaligen Sowjetunion ist für die grossen internationalen Hotelketten der wichtigste Wachstumsmarkt in Osteuropa. Zum Beispiel für Marriott. Bis 2015 will die US-Kette ihre Bettenkapazitäten in Europa von 40000 auf 80000 nicht weniger als verdoppeln. «Osteuropa wird dabei eine wesentliche Rolle spielen», so die Marriott-Sprecherin Corinne Gsell. 2010 eröffnet die Gruppe in Moskau ein Renaissance-Hotel. Dazu sind in der russischen Hauptstadt je zwei Hotels der Marke Courtyard und Marriott in der Pipeline. Auch in Tschechien und Ungarn ist die Kette heute vertreten. In Budapest eröffnet sie heuer ein neues Courtyard by Marriott. In Aserbeidschan und Kasachstan befinden sich je ein JW Marriott im Bau. Weitere Betriebe, auch in anderen Ländern Osteuropas, werden bis 2015 folgen.
In Polen dominiert Accor mit Economy-Konzepten
Ambitionierte Pläne verfolgt auch Starwood Hotels. In den nächsten drei Jahren will die Kette ihr weltweites Portfolio um 100 neue Häuser erweitern. Auf Osteuropa richtet sich dabei ihr spezieller Fokus. Im Februar 2010 wurde das Sheraton Bratislava eröffnet, im April das Sheraton Batumi in Georgien. Bald kommt ein neues W Hotel in St.Petersburg dazu. «Ein besonders starkes Wachstumspotenzial bietet uns Russland», sagt Thomas Willms, Regionaldirektor für Ost- und Zentraleuropa bei Starwood Hotels&Resorts.
Das Gleiche gilt für die französische Kette Accor. «Russland bietet uns die besten Entwicklungsmöglichkeiten», sagt Sprecher Jürg Sigerist. Der grosse Anteil des 102 Betriebe umfassenden Osteuropa-Portfolios von Accor befindet sich heute in Polen, wo die Kette 60 Hotels betreibt. Gefolgt von Ungarn mit 18 Hotels und Russland mit deren acht. Hängige Projekte verfolgt Accor in der Ukraine, Weissrussland, Kroatien und Bulgarien. Laufend ausgebaut wird das Hotelnetz zudem in Rumänien, Tschechien und in der Slowakei. Im Gegensatz zu den anderen grossen Ketten ist Accor in Osteuropa vor allem in der Economy-Hotellerie tätig und möchte im mittleren Preissegment wachsen.
Trotz des enormen Potenzials wachsen die Bäume für den Hotelmarkt auch in Osteuropa nicht in den Himmel. «Die Wirtschaftskrise hat sich vor allem im Jahr 2009 auch in den Ostländern negativ auf die Zimmerpreise und unsere Ergebnisse ausgewirkt», räumt etwa Thomas Willms von Staarwood ein. Mit den gleichen Schwierigkeiten kämpften Marriott, Swissôtel und Accor.
Die Zeichen einer raschen Verbesserung der Situation sind allerdings unverkennbar. «In Polen und Russland erleben wir zurzeit die markanteste Preiserholung», beobachtet Jürg Sigerist von Accor. Die Voraussetzungen für eine anhaltend rasante Weiterentwicklung der Hotellerie in Osteuropa stehen günstig. Die grossen Ketten wollen sich dieses Geschäft auf jeden Fall nicht entgehen lassen.
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