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02.02.2012
Hotel als Geldanlage
Pizzeria Restaurant Lido da Elia in Krattigen: 2010 verkauft an einen russischen Investor.
Pizzeria Restaurant Lido da Elia in Krattigen: 2010 verkauft an einen russischen Investor. (© zvg)
Ausländische Investoren kaufen Hotels, oft als reine Geldanlage. Die Rentabilität ist zweitrangig. Das beobachtet Stephan JJ. Maeder, Präsident des Hotelier-Vereins Berner Oberland.
Virginia Nolan

Berge, frische Luft und Traditionsreichtum: Das Berner Oberland ist ein Aushängeschild für «Swissness». Ein Blick auf die Gastgeber in der Region zeigt aber auch, dass wer sich dieses Schlagwort auf die Flagge schreibt, längst nicht immer lokal verwurzelt ist. Vor allem im Gebiet um den Thunersee sind jüngst auffällig viele Traditionshäuser in ausländische Hände gefallen. Inder, Chinesen, Koreaner oder Russen haben sich nicht nur als wachsende Gästeschicht, sondern auch als Hotel-Investoren einen Namen gemacht. Von einem Ausverkauf könne nicht die Rede sein, sagt Stephan JJ. Maeder, Präsident des Hotelier-Vereins Berner Oberland. Aber zu denken gebe ihm die Entwicklung schon.

Betroffene Hotels oft Familienbetriebe ohne Nachfolger

Der Trend, dass Hotels von ausländischen Investoren gekauft werden, habe sich Ende der Neunzigerjahre erstmals bemerkbar gemacht und sich in jüngster Vergangenheit verstärkt, sagt Maeder. «In einigen Gebieten finden Strukturbereinigungen statt», sagt er, der in Interlaken das «Carlton Europe» führt. «Viele Traditionshäuser haben einen angestauten Unterhaltsbedarf, den sie selbst nicht bestreiten können.»

Die betroffenen Hotels seien oft Familienbetriebe, in denen die Nachfolgeregelung zum Problem werde. Einige seien aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu klein, um profitabel zu arbeiten. «Dieses Erbe will man den Jungen nicht aufbürden», sagt Maeder. «Und dann springen halt die Ausländer in die Bresche.»

Warum gibt es nicht mehr Schweizer Investoren wie die Hauenstein Immobilien oder eine Lisbeth Mathys, die alten Hotels rund um den Thunersee zu neuem Glanz verholfen haben? «Wie gesagt», so Maeder, «die betroffenen Betriebe sind oft recht klein, und für jeden, der ein rentables Geschäft will, ist das eine Herausforderung.» Dass Inder, Chinesen oder Russen eher imstande seien, diese zu meistern, glaubt der Präsident des Hotelier-Vereins Berner Oberland nicht. «Ich habe manchmal den Eindruck», sagt er, «dass sie gar nicht immer die Absicht hegen, ein Haus florieren zu lassen.»

Mit dem Hotel die Lex Koller umgehen

Maeder spielt auf die Lex Koller an: Ein Hotel bietet Ausländern die Möglichkeit, sie zu umgehen, weil es als Gewerbebetrieb einfacher zu erstehen ist als Wohneigentum, das durch die Kontingentregelung nur sehr beschränkt verfügbar ist. «Für einige ist das Hotel folglich vor allem eine Geldanlage in einer sicheren Währung», glaubt Maeder, «die Rentabilität des Hauses ist zweitrangig.»

Dieser Eindruck bestätige sich zuweilen auch im Bild, das die übernommenen Hotels böten. «Nicht überall», sagt Maeder, «aber vielerorts wird nichts in den Betrieb investiert.»

Solche Häuser seien es meist, sagt Maeder, die in Interlaken Logiernächte zu «problematisch tiefen Preisen» anböten, vor allem im Winter. Das Phänomen sei vor allem im Tourismusgeschäft zu beobachten, allerdings kaum im Seminar- und Kongressmarkt. Die Schleuderpreise seien der lokalen Hotelszene sicher nicht gerade dienlich, sagt Maeder, «aber schliesslich entscheidet jeder selbst, wie viel sein Angebot kostet.»

Die steigende Präsenz von ausländischen Käufern sei sicher nicht nur negativ zu werten, sagt Maeder. «Wenn eine Investition dazu führt, dass ein sanierungsbedürftiges Haus wieder dem heutigen Standard angepasst wird, ist das für die Destination ein Gewinn.» Und wenn etwa ein indischer Investor ein Hotel erwerbe, um es nach den Bedürfnissen seines Heimatmarkts auszurichten, sei das ebenfalls sinnvoll. «Niemand streitet ab», sagt er, «dass diese Märkte für uns wichtig sind.»

Zusammenhalt der Hoteliers schwindet

Häuser, die, wie Maeder vermutet, ihren Zweck aber vor allem als reine Geldanlage erfüllen, erschwerten den Zusammenhalt lokaler Hoteliers. In Interlaken habe er festgestellt, dass in diesen Hotels die Fluktuation auf Führungsebene zuweilen hoch sei, er spricht von «gesichtslosen Direktionen, die vor Ort nicht integriert sind.» Das führe zu weniger Austausch und Zusammenarbeit als früher, und auch gemeinsames Lobbying gestalte sich schwieriger. «Wenn etwa in Gstaad der Schuh drückt», sagt er, «stehen die Hoteliers geschlossen zusammen. Hier sieht es leider anders aus.»

Falls Schweizer Hoteliers in der Region dereinst zur Rarität würden, lacht Maeder, hätten sie immerhin noch einen Vorteil: «Dann sind es eben nur noch wenige, die wahre ‹Swissness› bieten. Und das macht uns auch irgendwie exklusiv.»

  
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