Als René Bettoli das elterliche Interlakner Hotel Harder-Minerva mit seiner Frau Elsbeth übernommen hatte, musste er seine Geschwister ausbezahlen. Damals kamen die Hoteliers noch einfacher zu Geld als heute. Die jungen Bettolis erhielten sogar ein zinsloses Darlehen von der Hypothekar-kasse. Sie waren auf die finanzielle Hilfe angewiesen, denn es standen einige Investitionen an. «Zwischen 1987 und 1989 stockten wir das Haus auf 28 Zimmer auf, ersetzten Küche und WC, installierten Nasszellen und hatten feuerpolizeiliche Auflagen zu erfüllen.» Mit zwei Sternen war das Haus schon geschmückt, als es Bettolis Grossvater führte. «Wir machten es dann zu einem Haus auf einem hohen 2-Sterne-Niveau», hält Bettoli fest. Wie viel er alles in allem in das «Harder Minerva» gesteckt hat, weiss er nicht. Er schätzt, dass es zwischen 10 und 15 Millionen Franken waren.
Positioniert haben René und Elsbeth ihr Hotel als Sommer-Ferienhotel für Familien - erfolgreich, wie Bettoli bestätigt. Im Winter war das Haus geschlossen. Die englischen Feriengäste, die damals die Interlakner Betten füllten, blieben zwischen drei Wochen und zwei Monate. «Da gab es Gäste, die studierten tagelang die Botanik auf der Schynigen Platte oder in der Weissenau», erinnert er sich. «Und wir beherbergten auch Frührentner aus Frankreich.» Viele Gäste waren Stammgäste und trafen sich regelmässig im «Harder-Minerva». «Wir pflegten eine starke Kundenbindung. Das tat bereits mein Vater.»
Alles geht schneller, alles wird kurzfristiger
Dann, im Laufe der Zeit, wurde alles etwas hektischer. Bettolis schafften sich ein Hotelsystem an und vermarkteten ihr Haus über Reservationsplattformen. «Das ist noch keine zehn Jahre her», blickt der Hotelier zurück. «Das Verhältnis von Umsatz und Löhnen veränderte sich. Alles musste schneller gehen, die Buchungen wurden kurzfristiger.» Zwar gehört das «Harder-Minerva» mit 52 Prozent immer noch zu den bestausgelasteten Hotels in Interlaken, «doch die Preise in der Zwischensaison sind katastrophal tief gesunken» - längst haben Bettolis ihr Haus auch winters geöffnet. Für 38 Franken pro Person im Doppelzimmer inklusive Frühstück verkauft er seine Hotelzimmer. Kongresspreise sind etwas höher. «Die Preisspirale dreht sich immer schneller», zieht Bettoli Bilanz. «Und die hohen Kommissionen der Buchungsplattformen machen uns das Leben schwer.»
Der Verkauf an einen indischen Investor ist geplatzt
Heute beherbergen Bettolis vor allem Gruppen aus Asien. Zugewiesen von Tour Operators oder vermittelt von den Jungfraubahnen. «Ich nehme die Gruppen nur, wenn ich genügend Mitarbeitende habe, das heisst, ich passe das Gruppengeschäft meinem Personalbestand an.» Das grösste Problem, sagt Bettoli, seien die fehlenden Gäste aus dem Euro-Raum, die sowohl länger blieben als auch mehr bezahlten. Bettolis helfen sich mit einem zweiten Standbein über die Runden: einem Mahlzeitendienst für betagte und behinderte Menschen.
Kurz: Bettolis wollen ihr Hotel verkaufen, denn inzwischen hat sich Investitionsstau ergeben und ihre Tochter hat sich für einen anderen Beruf entschieden. Letztes Jahr hatte er einen indischen Investor an der Angel, doch Anfang dieses Jahres ist der Deal geplatzt, weil der Käufer nicht zahlen konnte. Jetzt suchen Bettolis weiter. Wir würden am liebsten an Schweizer verkaufen, sagt er. Er hätte auch schon ein Konzept für sein Hotel und Restaurant: «Es braucht einen guten Koch, der traditionelle Schweizer Küche bietet.»
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