Die Diskussion darüber, was Familien- respektive Kinderferien wirklich ausmachen, ist endlos und kontrovers. Die Strategien und Philosophien von entsprechenden Labels sind denn auch recht unterschiedlich. Das zeigt sich beim Vergleich der drei Organisationen Kinderhotels aus Österreich, Familotel (Deutschland) und Kidshotels (Schweiz).
Am schwersten mit einer eindeutigen Positionierung im Kindersegment tut man sich in der Schweiz. Das hat nicht zwingend mit einer mangelnden Kompetenz zu tun, sondern eher mit einer Güterabwägung, sagt Daniela Bär, Sprecherin von Schweiz Tourismus, wo die Geschäftsstelle der Kidshotels betrieben wird. Zurzeit tragen in der Schweiz 31 Hotels dieses Label. «Die Kidshotels streben jedoch keine Monokultur an, die dazu führen würde, dass bei ihnen ausschliesslich Gäste mit Kindern wohnen dürfen», so Daniela Bär.
Dementsprechend sind die zehn festgelegten Normen oder Kriterien, die Kidshotels erfüllen müssen, nicht allzu streng und lassen teilweise Interpretationsspielraum offen. So etwa die Punkte «Kinderfreundliche Atmosphäre», «Kinder-Beschäftigung am Esstisch» oder «Kindergerechte Verpflegung». Daneben müssen Kidshotels auch klar messbare Kriterien erfüllen, wie etwa «Spielzimmer mit mindestens 20 Quadratmetern», «Kinderbetreuung in den Schulferien», «Gratisgetränke von 10 bis 20 Uhr». Getreu der Positionierung «Ganz natürlich» sei in der Schweiz aber grundsätzlich jeder Gast überall willkommen, sagt Daniela Bär. Also auch das Rentner-Paar in einem Kidshotel.
Familotel: Kundenwünsche wichtiger als Anforderungen
Der Anforderungskatalog für Kidshotels, der im Jahr 2010 mit den Kriterien der «Familienfreundlichen Hotels» von hotelleriesuisse harmonisiert wurde, genüge auch internationalen Anforderungen, hält man bei ST fest. Als Basis für dessen Ausarbeitung wurden auch Kriterien der deutschen Vermarktungsorganisation Familotel beigezogen. Deren Philosophie ist ähnlich wie bei den Kidshotels. Familotel wolle keine langen Anforderungskataloge erstellen, sondern bestehende Richtlinien stets überprüfen und noch deutlicher formulieren, so dass bei den Kunden keine offenen Fragen bleiben, erklärt Michael Albert aus dem Führungsteam. Als Beispiel nennt er den Punkt «betreutes Kinderessen». Wie genau muss er definiert werden? Wie oft und zu welchen Zeiten finden solche Essen statt? «Diesbezüglich sind wir in einem ständigen Austausch mit den Kunden und nehmen deren Anregungen auf.»
Klassifiziert werden die Betriebe bei Familotel mit 3 bis 5 Kronen, je nach Vielfalt und Qualität der Kinderangebote. Die Kriterien sind ähnlich wie bei den Kidshotels. Ein wesentlicher Unterschied: Anders als die Kidshotels, die nur in den Schulferien Kinderbetreuung anbieten müssen, gilt das für die Familotels ganzjährlich. Von den 61 Mitgliedhotels stehen 37 in Deutschland, 16 in Österreich und mit dem Lago di Lugano (5 Kronen) auch eines in der Schweiz. «Zwei weitere interessierte Schweizer Betriebe erfüllen bislang die Kriterien nicht», sagt Michael Albert.
Knallharte «Smiley»-Kriterien in Österreichs «Kinderhotels»
Strengere Kriterien als Kidshotels und Familotels wenden die österreichischen «Kinderhotels» an. Für den Minimalstandard, der zum Tragen von drei «Smileys» berechtigt, müssen Hotels etwa ganzjährig einen vollamtlichen Betreuer pro 20 Kinder stellen, 40 Stunden Kinderbetreuung pro Woche sowie einen 24-Stunden-Babysitterdienst bieten. Allein damit wären heute fast alle Kidshotels überfordert. Richtiggehende Kinderparadies-Welten bieten die 13 von insgesamt 54 Kinderhotels (44 davon in Österreich), die sich mit fünf «Smileys» schmücken. Sie verfügen über ein Theater oder Kino, eine Indoor-Softplay-Anlage, offerieren mindestens 60 Stunden Kinderbetreuung pro Woche und täglich neue Erlebnisprogramme.
Über die Konkurrenz mit den Labels der Schweiz und Deutschlands will man bei den Kinderhotels nicht reden. «Eigentlich kann man die Organisationen nicht vergleichen», sagt Siggi Neuschnitzer, Sprecher der Kinderhotels. «Mit unseren hochgeschraubten Kundenversprechen können wir es uns nicht leisten, nur einfach familienfreundliche Betriebe in einem Verkaufsverbund zu sammeln.» Bei den Kinderhotels stecke eine ganze Philosophie dahinter. Das zeigt etwa die «Kinder- hotel-Akdademie», in der Kinder-Betreuer für den Einsatz in den Hotels ausgebildet werden. «Die Kriterien werden laufend weiter entwickelt und tendenziell verschärft.»
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