Ein neutrales, sicheres Land, schöne Landschaften, eine stabile Währung, nicht der EU zugehörend, eine relativ stabile Regierung und Gesetze, ein noch einigermassen intaktes Bankgeheimnis: Das sind die Vorteile, die Ausländer motivieren, in der Schweiz zu investieren, sagt der Interlakner Hotel-Berater Jürg Zumkehr. «Auch wollen sich einige Ausländer früher oder später in der Schweiz niederlassen.»
Die Brands Top of Europe, Jungfraujoch, das Schilthorn, Grindelwald und Interlaken, das zwischen den beiden Seen liegt und umrahmt ist von Eiger, Mönch und Jungfrau, sei einmalig auf der Welt, findet Zumkehr. Das mache die Region für die Asiaten attraktiv. «Auch hat der indische, weltberühmte Filmregisseur Yash Chopra mit seinen Filmen die Region in ganz Indien bekannt gemacht.»
Investoren suchen unterschiedlich grosse Betriebe
Wichtig sei, sagt Zumkehr, dass man diesen Käufern eine umfangreiche Dienstleistung biete. «Das beginnt bei der Evaluation der Objekte. Optimalerweise haben sie die Auswahl zwischen drei bis sechs Betrieben.» Er sagt ihnen auch, was es braucht bezüglich Hotels oder Restaurants, beziehungsweise was nicht. «Ich berate sie, wie sie diese Liegenschaften kaufen können, um künftig möglichst wenig Steuern bezahlen zu müssen. Und ich bin auch behilflich bei der Führung oder Vermietung dieser Betriebe.»
Gesucht werden Betriebe unterschiedlicher Art und Grösse. «Die einen möchten möglichst viele Zimmer, damit sie asiatische Gruppen unterbringen können. Andere wiederum suchen ein schönes Boutique-Hotel oder ein Renditeobjekt. Internationale Hotelketten möchten einen Betrieb, der zu ihnen passt, und arabische Käufer suchen Objekte im 5-Sterne-Bereich.» Begehrt seien auch Hotels mit einer oder zwei Wohnungen.
«Vielen Schweizer Investoren fehlt das Geld und die Innovation»
«Die meisten ausländischen Käufer investieren beträchtliche Summen in die Hotels. Sie führen die Betriebe nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen», erklärt Zumkehr. «Die neuen Eigentümer haben nur einen Weg zum Erfolg: Indem sie angebotsgerechte, authentische Hotels und kreative Restaurants betreiben - das dient uns allen.» Die Zahl der Hotels, die in den letzten Jahren an ausländische Investoren verkauft worden sind, sei stabil geblieben, zieht der Berater Bilanz. «Dauert die wirtschaftliche Krise jedoch noch mehrere Jahre an, dann könnte sich die Situation in der Hotellerie rasch verschärfen.» Gründe für den Verkauf ortet er vor allen bei fehlenden Nachkommen oder einem grossen Investitionsbedarf, für den die eigenen Mittel fehlen.
Zumkehr hat auch schon Hotels an Schweizer Investoren verkauft, doch das sei eher selten. «Würden die Ausländer nicht kaufen, könnten viele Hotelbetriebe gar nicht mehr verkauft werden.» Für seine ausländischen Klienten, versichert er, «stehen nicht kurzfristige Gewinne im Zentrum, sie denken langfristig.» Aus seiner Sicht sind die ausländischen Investitionen denn auch vorteilhaft für die Region. «Vielen Schweizern fehlt das Geld und die nötige Innovation.» Es sei daher erfreulich, wenn diese Mittel von aussen kommen. «Davon profitiert der Tourismus in der ganzen Schweiz. Im Berner Oberland bleiben dadurch viele Arbeitsplätze erhalten», gibt Jürg Zumkehr zu bedenken. «Und: Die ausländischen Investoren können die gekauften Hotels und Restaurants nicht wegzügeln, wie dies teilweise in der Industrie geschieht.»
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