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08.07.2010
Bergbahnen: Gewinn für West und Ost
Die neue Achter-Gondelbahn am Chopok bei Jasná  in der Slowakei.
Die neue Achter-Gondelbahn am Chopok bei Jasná in der Slowakei. (© zvg)
Der Bau von Bergbahnen im Osten schaffe eine Win-win-Situation mit dem Westen, meint der Bahnbau-Marktführer. Denn immer mehr Leute fahren dadurch Ski.
Karl Josef Verding

Seit April 2009 bis zur Eröffnung in der letzten Wintersaison baute die Doppelmayr Garaventa Group eine Anlage mit 86 kuppelbaren Achter-Umlaufkabinen – von Scuol im Engadin auf dessen Hausberg Motta Naluns. Sie ersetzt eine Vierer-Gondelbahn. Ihre Förderleistung beträgt 2800 Personen pro Stunde. Im gleichen 2009 baute der Bergbahn-Marktführer Doppelmayr eine kuppelbare Achter-Gondelbahn auf den Chopok bei Jasná in der Slowakei. Er ist mit 2023,6 m der dritthöchste Berg der Niederen Tatra. Befördern kann die neue Bahn 2400 Personen pro Stunde. Sie ersetzt eine alte Vierer-Gondelbahn, wobei die Trasse talwärts bis zum Hotel «Grand» verlängert wurde.

Sowohl in Scuol und in Jasná ersetzt also eine Achter- eine Vierer-Gondelbahn auf den Hausberg. Sind demzufolge Scuol und Jasná ein konkretes Beispiel für die neue Konkurrenz mit Osteuropa, vor allem im Winter-Tourismus? «Wir haben eine andere Sichtweise», antwortet Ekkehard Assmann, der Leiter Marketing bei Doppelmayr: «Es ist nicht Konkurrenz, sondern eine klassische Win-win-Situation. Aufgrund der osteuropäischen Bergbahn-Investitionen wird der Markt der Skifahrer insgesamt grösser. Wir sehen diesen Effekt zum Beispiel ganz deutlich: Die Anzahl der russischen Skifahrer hat zugenommen, dies dank der neuen Anlagen in Russland.»

Einheimische Investoren und Banken finanzieren die Anlagen
Die Doppelmayr Garaventa Group hat in den letzten drei Jahren in den Ländern zwischen Polen und Georgien 57 Bergbahn-Anlagen errichtet. «Die neuen Anlagen», so Assmann, «sind insbesondere für den Winter gebaut, aber saisonal auch für den Sommer nutzbar.»

Meistens werden die neuen Bahnen im Osten von einheimischen Investoren und Banken, sowie von öffentlichen, für die Infrastruktur zuständigen Körperschaften finanziert. Investoren aus anderen Teilen Europas sind sehr selten.

Doppelmayrs Produktionsstätten, die zugleich Kompetenzzentren für die Kunden und ihr technisches Personal sind, stehen in Wolfurt, Vorarlberg, und in Goldau SZ. Technisch instruiert wird aber im Osten auch vor Ort, mit Betreuung durch Niederlassungen und Vertretungen von Doppelmayr.

Überwiegend Winterbetrieb – mit Tendenz zu mehr Sommerbahnen
Der Konkurrent von Doppelmayr heisst Leitner. Die anderen Player im Geschäft haben nur regionale Bedeutung. Leitner hat in den letzten zwei Jahren zwölf Bergbahnen im Osten gebaut: in Russland, der Ukraine, der Türkei, der Tschechischen Republik, Georgien und Armenien. Die meisten sind kuppelbare Sessellifte. Auch hier geht es bei den neuen Bahnen «hauptsächlich um Winterbetrieb – mit einer Tendenz zu mehr Sommerbahnen», sagt Oliver Kirchheim. Er ist Export Sales Manager der Leitner AG mit Hauptsitz in Sterzing im Südtirol. Laut Kirchheim sind es «aktuell weniger Privatinvestoren», die sich an den Bahnen beteiligen, sondern es laufe «sehr viel über staatliche Infrastruktur-Förderprogramme sowie EU-Förderungen» (siehe auch «In Bulgarien ticken die Uhren noch anders»).

Woran es noch fehlt, sei die Weiterentwicklung des Schneesport-Marktes, sagen sowohl Kirchheim als auch Assmann. Kirchheim meint, dass durch neue Anlagen die Nachfrage gesteigert werden könne. «Man findet in den Skigebieten sehr viele elitäre Zielgruppen.» Das reiche aber nicht aus, um die Bergbahnen profitabel betreiben zu können. Dazu brauche es ein breites Publikum an Schneesportlern.

  
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