Theophil Bucher ist nicht nur ein leidenschaftlicher Gastgeber, sondern auch ein kühler Rechner. Früher als Direktor diverser Betriebe jahrelang an der Gästefront, ist er heute als Geschäftsführer und Partner der Betriebsgesellschaft RIMC Schweiz AG für den kommerziellen Erfolg der Hotels Four Points by Sheraton in der Zürcher Sihlcity und Meierhof in Horgen verantwortlich. Wer in der Hotellerie reüssieren will, muss die Kosten im Griff haben. «Ob ein Hotel 40 oder 90 Prozent Belegung aufweist - die Kosten bleiben identisch», erklärt Bucher. Die einzige Lösung für dieses Problem: Fixkosten müssen in variable Kosten umgewandelt werden. Dies tut Bucher, indem er im Four Points Sihlcity diverse Arbeiten auslagert. Die Reinigung von Gästezimmern, Restaurant oder Treppenhäusern sowie die gesamte Wäschereinigung werden von externen Firmen übernommen. Bei grösseren Bankett-Anlässen leiht sich das «Four Points» zudem Servicepersonal von auswärts. Dank diesem Outsourcing muss der Hoteldirektor weniger Personal fix anstellen, welches in Zeiten einer geringen Auslastung nicht ausgelastet ist. Für die externen rund 20 bis 25 Mitarbeitenden für die Bereiche Reinigung und Housekeeping erstellt die hoteleigene Gouvernante Einsatzpläne, die dem täglichen Arbeitsaufwand angepasst werden.
Auch im Hotel Meierhof Horgen betreibt Theophil Bucher ein Outsourcing. Die Verpflegung für Seminargäste und andere Bankett-Anlässe wird an eine externe Catering-Gesellschaft ausgelagert. In beiden Hotels der RIMC hat sich das Konzept bewährt. «Dank Outsourcing bestimmter Leistungen fallen nur dann Kosten an, wenn auch Umsatz generiert wird, respektive Gäste im Haus sind», so Bucher.
Externer IT-Support im «Trois Rois» für Aktualität
Auch das Hotel Eden in Spiez setzt auf Outsourcing: Es hat einen externen Sicherheitsdienst engagiert, der nachts Kontrollgänge im und um den Betrieb macht und gleichzeitig auch Reinigungsarbeiten übernimmt. «Die Nacht eignet sich dafür hervorragend, weil dann die Gäste davon nicht tangiert werden», erklärt Hoteldirektor Jürgen Kögler.
Das Outsourcing von Arbeitsprozessen ist vor allem in der Stadthotellerie beliebt. So auch bei den Spirithotels, zu denen etwa das Les Trois Rois in Basel und das Bellevue Palace in Bern gehören.
Im «Les Trois Rois» werden in den Bereichen Wäscherei, Reinigung und Informatik-Support Leistungen ausgelagert. Die Bettwäsche und die Personaluniformen werden extern gereinigt. Dasselbe gilt für die Hausreinigung. Und im Informatik-Support zählt das Basler Luxushotel auf die Dienste einer externen IT-Firma. «Dies hat den Vorteil, dass wir immer auf aktuelles Know-how zugreifen können und unsere Systeme auf dem modernsten Stand sind», begründet Reto Jeker, Human Resources Manager. «Im Hotel Bellevue Gstaad werden Wäscherei und IT-Support ebenfalls ausgelagert, die Hausreinigung jedoch nicht», ergänzt Regula Matzek, Leiterin Marketing der Spirithotels.
Accor profitiert von seiner Internationalität und Grösse
Auch für Hotelketten ist die Auslagerung von Leistungen ein strategisches Thema. Etwa für Accor, mit über 40 Betrieben Schweizer Marktführerin. «Outsourcing lohnt sich vor allem dort, wo unsere Schweizer Betriebe von internationalen Einkaufsvorteilen der Accor-Gruppe profitieren können», erklärt Sprecher Jürg Sigerist. Ein wichtiges Beispiel ist der Liftunterhalt, wo Accor länderübergreifend auf einen einzigen Dienstleister zurückgreift. «Dadurch wird bei gleicher Qualität der Leistung die Rechnung tiefer, und der betriebseigene Haustechniker hat mehr Zeit für alltägliche Unterhaltsarbeiten», so Sigerist. Auch in den Bereichen Hauswirtschaft und Fuhrwesen greifen Hotels von Accor Schweiz auf externe Dienstleister zurück.
Ganz auf Outsourcing verzichten die Luzerner Gastro- und Hotelbetriebe von Urs Karli. «Da wir eine sehr ausgeglichene Zimmerbelegung haben, ist für uns Outsourcing zurzeit kein Thema», so Karli. Er beobachte die Entwicklung jedoch genau und werde bei Bedarf auch einzelne Leistungen auslagern.
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