Sie gehören in Fussballstadien wie Fluchen, Feiern und Mitfiebern: Bier und Wurst. In Bern hat Letztere gar Kultstatus erreicht und trägt den Namen YB-Wurst. Die Firma Bell – für die Publikums-Verpflegung zuständig – verkauft pro Fussballspiel im Berner Stade de Suisse 4000 Stück dieser 140-grämmigen Rezeptur aus Rind- und Schweinefleisch. Die Geschichte der im Wasser gekochten Wurst ist über 30-jährig – heute ist sie nicht nur auf Facebook, in einem Fansong und als Fanartikel verewigt, sondern liegt auch im Kühlregal von Berner Coop-Filialen.
Verpflegung für 100000 Personen ausserhalb der Spieltage
Doch die gastronomische Palette abseits des Rasens besteht längst nicht mehr nur aus Wurst und Bier. Mit der Aufrüstung der Schweizer Fussballstadien ist auch die kulinarische Auswahl gewachsen – und hat selbst für die Gourmet-Küche Platz geschaffen. Das Stade de Suisse etwa – das Gebäude feiert heuer sein fünfjähriges Bestehen – ist mehr als nur Fussballstadion. Es ist eine Location für Grossanlässe, Kongresse und Seminare. Das Restaurant «Eleven» trägt zwar einen fussballaffinen Namen und präsentiert Specials rund um das runde Leder, wie etwa die Leibspeise eines YB-Spielers («Entrecôte mit Pasta alla mamma»). Doch die Zielgruppe des von SV Schweiz geführten Gastro-Lokals ist breit. Das Restaurant hat die ganze Woche über geöffnet, an Matchtagen auch am Sonntag.
Im Stadion selbst werden gemäss Daniel Hinz, Verkaufsleiter und Mitglied der Geschäftsführung, pro Jahr ausserhalb der Spieltage 100000 Personen verköstigt. Die Stade de Suisse AG hat in Bern zusammen mit der SV Schweiz Stade de Suisse Gastro gegründet, welche für dieses Catering zuständig ist. Die Firma verpflegt die Gäste auch im VIP-Bereich während der Fussballspiele. Wer also mehr will als Pizza, Döner oder Wurst, kommt hier auf die Rechnung – wenn auch nicht ganz billig. So kostet eine Jahreskarte in der im Februar eröffneten «Sky Lounge» 12000 Franken, inbegriffen sind unter anderem 20 YB-Spiele und ein «exquisites Catering». Der Raum bietet Platz für 100 Personen. Laut Hinz essen Clubmitglieder Vor- und Hauptspeise jeweils vor dem Spiel, das Dessert in der Halbzeit. Das Menü wechselt stets: Während der Begegnung YB– FCZ standen etwa Entenleber mit konfiertem Apfel auf Toast, Pangasiusröllchen mit getrockeneten Tomaten oder Kräuterhonig-Ananas-Panna-Cotta auf dem Plan. Die Weinkarte führte den südafrikanischen Simonsig Chenin Blanc Stellenbosch und den Rigoletto Montecucco Colle Massari auf.
Grosser Personalaufwand während den Spielen
Günstiger isst man in der «Future Lounge». Eine Jahresmitgliedschaft kostet 3500 Franken, inklusive unter anderem einem Sitzplatz auf der Haupttribüne und einem Buffet vor und während des Spiels. Budget und kulinarisches Angebot sind je nach Loge und Lounge unterschiedlich. «Wir verpflegen pro Match bis zu 2000 VIPs», so Hinz. Pro Spiel wirken 250 Personen im Gastrobereich mit, am Herd stehen 40 bis 60 Köche.
Auch in anderen grossen Schweizer Arenen wie in Basel oder in St.Gallen rollt nicht nur der Ball. Die neuen Stadien sind Konzertbühnen, Kongresshäuser und beherbergen die grössten Einkaufszentren der Umgebung. In Basel betreibt die Firma Berchtold das Catering für die verschiedenen Gastrobetriebe im St.Jakob-Park. In der Ostschweiz verpflegt die Firma Bonaparty (Migros) die Gäste. Der orange Riese hat sich auch im neuen Allmend-Fussballstadion in Luzern die Exklusivrechte am Catering gesichert: Die Swissporarena soll nächstes Jahr eröffnen.
Glaubt man Daniel Hinz vom Stade de Suisse, gehören Bier und Wurst trotz Kaviar und Champagner nach wie vor ins Stadion. Denn laut dem Verkaufschef fehlt selbst in den VIP-Lounges die YB-Wurst nicht. Hier trieft sie aber nicht und ist von einer Papierserviette umwickelt. Sondern wird portionengerecht serviert auf einer kalten Platte nach dem Spiel. Die Fussballwurst kennt keine Klassen.
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