Verena Prager, Sie planen eine einjährige Auszeit. Wo sind Sie heute in sechs Monaten?
Vermutlich in meinem Auto mit meinem Hund, irgendwo in Europa. Ich werde im Juli 60 Jahre alt - nach Feier und Ferien mit meiner Familie möchte ich losfahren. Mein Ziel ist es, je drei Monate in vier verschiedenen Ländern zu verbringen. Mal schauen, ob dieses Vorhaben klappt, ich lasse mich einfach darauf ein.
Haben Sie genug von der Gastronomie?
Nein, der Hintergrund ist ein anderer. Wir stehen im Leben immer wieder an einem Punkt, an dem wir eigentlich auch einen anderen Weg gehen könnten. Man entscheidet sich für oder gegen einen Beruf, für oder gegen eine Beziehung - und klammert damit gleichzeitig alle anderen Möglichkeiten aus. Diese «nicht gelebten Leben» faszinieren mich. Deshalb möchte ich jetzt einen solchen «anderen Weg» gehen. Genug von der Gastronomie habe ich keineswegs, dafür liebe ich sie zu sehr. Aber die Zeit ist reif für diesen Schritt, denn an der Front möchte ich künftig nicht mehr stehen. Nach der Pause kehre ich in die Prager Gastronomie AG zurück und bleibe VR-Präsidentin.
Ihr Vater, Mövenpick-Gründer Ueli Prager, ist vergangenen Herbst verstorben. War dies mit ein Grund für Ihren Entscheid zur Auszeit?
Nein, Vaters Tod hat damit nichts zu tun. Den Plan hege ich seit über einem Jahr.
Was bedeutet Ihre Pause für die Kulturgaststätte Sommerlust und den «Güterhof», die beiden Betriebe der Prager Gastronomie AG?
Für die «Sommerlust» suchen wir einen neuen Pächter. Das Lokal braucht ein Gesicht, eine Persönlichkeit mit Leidenschaft. Geschäftsführerin des Güterhofs bleibt meine Tochter Linda, mit der ich seit vier Jahren zusammenarbeite. Das hilft natürlich, dass ich guten Gewissens weggehen kann.
Ihre Tochter führt die Tradition weiter - Sie selbst sind vor 15 Jahren relativ spät in die Branche eingestiegen. War der Name Prager zu lange eine zu grosse Hypothek?
…eine Hypothek insofern als Gastronomie von meinem Vater stark besetzt und für mich früher schlicht nie ein Thema war. Aber der Name ist natürlich auch ein Segen - und offenbar habe ich die «Gastro-Gene» geerbt.
…und offenbar mit Erfolg: 2010 generierten die beiden Betriebe zusammen 7,5 Mio. Franken Umsatz.
Was den effektiven Gewinn betrifft, muss man natürlich den grossen Aufwand bedenken, den Gastronomie erfordert. Gerade der Kulturteil in der «Sommerlust» ist ein eigentliches Nullnummernspiel, aber ich hatte grossen Spass daran und er hat dem Lokal zu seinem guten Namen verholfen. Heute ist es nichts besonderes mehr, Jazzkonzerte im Restaurant anzubieten. 1998 war es einmalig und trendy.
Wo hatten Sie ausserdem den richtigen Riecher?
Als wir in der «Sommerlust» auf 7-Tage-Betrieb wechselten, sagten mir alle: Du spinnst, die Personalkosten wirst du nicht im Griff haben. Es war sicher nicht einfach, aber bald setzten wir dreimal mehr um.
Welches «nicht gelebte Leben» hätte Sie immer gereizt?
Ganz klar: ein Hotel zu führen - das wär's gewesen (lacht). Aber ich habe nie ernsthaft nach einem Haus gesucht. Und eben: das war immer nur eine Möglichkeit unter vielen.
Zur Person: Die Gastronomie hat sie im Blut
Verena Prager (59) prägt seit 15 Jahren die Schaffhauser Gastro- und
Kulturszene: Mit der Prager Gastronomie AG betreibt sie die
Kulturgaststätte Sommerlust, welche eine 13-GM-Küche mit Konzert- und
Eventreihen vereint. Seit 2008 gehört der «Güterhof» dazu, mit
vielfältigem Gastro- und Barkonzept auf 700 m² am Rheinufer. Die Tochter
von Mövenpick-Gründer Ueli Prager ist ausgebildete Kindergärtnerin;
2003 hat sie das Diplom zur eidg. dipl. Restaurateurin erlangt.
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