dolce vita
26.08.2010
Folklore zieht mehr denn je
Das Eidgenössische Schwing-  und Älplerfest in Frauenfeld war ein Fest der Superlative mit gewaltiger medialer Präsenz. Folkloristische Events scheinen dem Zeitgeist zu entsprechen.
Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld war ein Fest der Superlative mit gewaltiger medialer Präsenz. Folkloristische Events scheinen dem Zeitgeist zu entsprechen. (© Swiss-Image)
Ob Schwingen, Jodeln oder Alphornblasen: Schweizer Folklore liegt im Trend und spricht ein breites Publikum an. Dies hat das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest gezeigt.
Eveline Spahr

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest war ein Event der Superlative mit nie dagewesener medialer Präsenz. Nebst unzähligen Schweizer Medienvertretern reisten sogar Journalisten aus Asien an den Sportanlass. Dies hat der Destination Schweiz zusätzliche Werbung beschert. Folkloristische Anlässe scheinen dem Zeitgeist zu entsprechen, nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland.

Schweizer Bräuche und Folklore erleben momentan ein Revival
Warum sind solche Veranstaltungen zurzeit so populär? «Die Leute verbinden damit ein Stück Heimat», vermutet Monika Grünenfelder, Geschäftsführerin von Thurgau Tourismus. Und Bundespräsidentin Doris Leuthard vertritt in einer Mitteilung gar die Meinung, Schwingen schaffe Schweizer Identität. Dies sei heute besonders wichtig, «wo Globalisierung zu Entfremdung führt» (Siehe auch Interview).

Sibylle Gerardi, Leiterin Kommunikation & PR bei Luzern Tourismus, bestätigt: «Swissness liegt im Trend, sowohl bei Schweizern als auch bei Ausländern». Das eidgenössische Jodlerfest, das vor zwei Jahren in Luzern stattfand, habe viele in- und ausländische Besucher angelockt. «Betreffend Wertschöpfung sind solche Veranstaltungen wertvoll», erklärt Gerardi. Und sie weist darauf hin, dass im Musikrestaurant Stadtkeller in Luzern während des Sommers zweimal täglich «Swiss Folklore Shows» stattfinden. «Diese Shows sind bei Ausländern sehr beliebt und gut gebucht», sagt Gerardi. Zürichs Tourismusdirektor Frank Bumann dagegen betrachtet Schweizer Folklore eher als Nischenthema. Zürich werde nicht primär mit Schweizer Brauchtum vermarktet.

Auch das Gornergrat-Fest in Zermatt mit 650 Jodlern kam beim Publikum gut an. «Wir wollen mit dem Fest den Gornergrat als Ausflugsziel positionieren», sagt Andreas Zenhäusern, Produktmanager der Gornergratbahn. «Zudem beschert das Event der Region Zermatt zusätzliche Logiernächte.» Vor allem Schweizer seien angereist, doch auch viele Japaner seien gekommen. Für das Fest wurde primär im Inland geworben. Dasselbe gilt für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest. «Es wird im Ausland nicht direkt vermarktet», sagt Monika Grünenfelder. Ausländische Gäste waren daher nur marginal vertreten.

Folklore spricht zunehmend auch ein junges Publikum an
Schweiz Tourismus wirbt mit Schweizer Folklore auch im Ausland. Véronique Kanel, Pressesprecherin von Schweiz Tourismus: «Immer mehr Leute interessieren sich für Schweizer Brauchtum, sowohl Ausländer als auch Schweizer.» Sie weist in diesem Kontext auf den Erfolg des Alphorn-Festivals in Nendaz mit rund 15000 Besuchern hin, ein Drittel waren Ausländer. Das Festival hat auch viele Junge angelockt. Nicht zuletzt dank des Auftritts der Alphornspielerin Eliana Burki. Solche Events treffen heute den Geschmack eines breiten Publikums. «In den letzten fünf Jahren hat sich die Zusammensetzung der Gäste am Schwing- und Älplerfest verändert», stellt Monika Grünenfelder fest. «Das Publikum ist jünger als früher.» Und sie weist auf eine weitere Veränderung hin: «Immer mehr Frauen besuchen das Fest.»

  
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