Mittlerweile sind wir bei rund zwölf Liter pro Kopf und Jahr angelangt: Nachdem es ab den 50er-Jahren kontinuierlich bergab ging mit dem Apfelsaft, zeichnet sich in den letzten Jahren eine Trendwende ab. «Der Konsum steigt wieder deutlich an», sagt Rolf Matter. Zum einen liege gesunde Ernährung wie auch die wiederbelebte «Swissness» im Trend, erklärt der Mediensprecher des Schweizerischen Obstverbandes. Aber auch süffige Apfelsaft-Innovationen, welche vor allem bei einem jungen Publikum gut ankommen und den Markt erobern, tragen ihren Teil dazu bei. Allen voran die Schorle, der gespritzte Apfelsaft.
Innert zehn Jahren hat sich die Menge für Schorle vervierfacht
«Die Zahlen beim klaren wie auch beim trüben Apfelsaft blieben in den letzten Jahren konstant. Zu Schorle hingegen wurden 1999 noch 25158 Hektoliter Apfelsaft verarbeitet, 2009 waren es bereits 115439». Diese «eindrückliche» Zahl, so Matter, zeige, wie sich die Konsumgewohnheiten in den letzten Jahren verändert haben.
Diese Trendwende sei «auch für die Landwirtschaft erfreulich», so Urs Schneider vom Schweizerischen Bauernverband. Schliesslich bevorzugen die Schweizer Mostereien nach wie vor vorab inländisches Mostobst wie Blauacher, Boskoop oder Sauergrauech. Und noch heute stellt die Produktion und Verwertung von Mostobst in Obstbauregionen wie Bern, Luzern, St.Gallen und Thurgau alias «Mostindien» einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor dar: Der Wert der Brenn- und Mostobstproduktion beträgt jährlich 55 Millionen Franken.
Grossmostereien wie Ramseier und Möhl wollen keine Zahlen nennen, nehmen den Aufschwung aber mit Freude zur Kenntnis. Ernst Möhl von der 4. Generation des gleichnamigen Familienbetriebs schätzt, dass heuer in manchem Gastrobetrieb gar mehr Apfelschorle als Coca-Cola konsumiert würde.
Andere Aromen ermöglichen neue Apfelschorle-Sorten
Ob klarer Apfelsaft oder Cidre, also Apfelwein – von der Schorle-Welle profitiert das Getränk per se, ist man sich einig. Sogar der Naturtrübe, der vor allem während der Saison von September bis November für ein gutes Geschäft sorgt und gerne direkt beim Bauern bezogen wird. Und der Schorle selber sind keine Grenzen gesetzt, wie Variationen mit Holunderblüten, Cranberrys oder Kaktusfeige zeigen. «Da liegt noch viel Potenzial drin», so Marco Imfeld von Ramseier.
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