Die Reben des Dézaley geniessen eine der schönsten Lagen unter den Schweizer Rebbergen. Ihre Heimat, das Lavaux, ist heute Teil des Weltkulturerbes der Unesco. Insgesamt umfasst die Appellation Dézaley 54 Hektar, der grösste Teil dieser Fläche liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Puidoux, die vollständig terrassierte Lage zieht sich vom Ufer des Genfersees mit 370 m ü.M. bis in Höhen von 600 Meter. Das Gelände ist steil und lässt sich nur in Handarbeit bewirtschaften. Einen grossen Aufwand beschert den Winzern die ständige Erosion, müssen sie doch die Erde immer wieder hinauftragen und die Mauern und Treppen intensiv unterhalten - eine Sisyphusarbeit.
Einst war der Dézaley einer der begehrtesten und teuersten Weine der Schweiz, wer etwas zu feiern hatte, tat dies mit diesem Tropfen. Dann - auch bedingt durch die allgemeine Abkehr vom Chasselas - verblasste der Ruhm zusehends, heute haftet dem Dézaley ein traditionelles, um nicht zu sagen leicht ältliches Image an. Um den Wert und die Qualität ihrer Weine dem Konsumenten wieder ins Gedächtnis zu rufen, gründeten einige Winzer 1995 die Vereinigung La Baronnie du Dézaley. Ihr gehören zwölf der besten Weinproduzenten des Lavaux an. Diese zwölf luden Mitte Januar zu einer Weingala ins Hotel Waldhaus nach Sils-Maria ein, wo sie sich und ihre Weine dem Publikum präsentierten. Unter Leitung des Weinjournalisten Stefan Keller fand zudem ein Weinseminar statt, wo Flaschen der Jahrgänge 2007 bis 1979 geöffnet wurden.
Fazit: Ein 20-jähriger Dézaley kann noch frisch und gut sein
Diese Vertikaldegustation wollte zeigen: Der Chasselas kann, stammt er aus einem bevorzugten Terroir und aus bestem Rebgut, sehr schön altern und sogar mit 20 Jahren noch ein Genuss sein. Die weitverbreitete Ansicht, Westschweizer Weine seien dazu bestimmt, möglichst noch im selben Jahr als Apéritif getrunken zu werden, sollte schleunigst revidiert werden.
In der Degustation fielen folgende Weine besonders vorteilhaft auf: Der feine, elegante, abgerundete Dézaley Orion 2007 von Alain Paley in Epesses; der wunderbar gealterte Dézaley Médinette 2001 von Bovard in Cully, welcher zu den Ikonen der Waadtländer Weine zählt und dank weiser Lagerpolitik des Hauses immer noch zu kaufen ist; der Dézaley La Borne 1992 von Jean et Pierre Testuz aus Cully - übrigens bereits in einer Flasche mit Schraubverschluss! -, der mit seinen 20 Jahren überraschend jung wirkte und sich sogar eine gewisse Spritzigkeit bewahrt hat.
Gut gehalten hat sich auch der über 25-jährige Dézaley Chemin de Fer 1986 des renommierten Spitzenwinzers Luc Massy aus Epesses, obwohl er seiner Dichtheit wegen wohl eher dem Burgund als der Romandie zugeordnet würde. Interessant war auch die Verkostung des 82er Marsens de la Tour der Frères Dubois Cully und des Methusalems Marsens 1979 von Dubois Fils Epesses - aber die Erkenntnis festigte sich dabei auch: Das ist doch etwas zu alt, seine besten Zeiten hatte der Wein vorher!
12 Produzenten bilden die Baronnie du Dézaley
Im Hochzeitssaal des «Waldhaus» in Sils Maria zeigten dann die zwölf Mitglieder der «Baronnie»-Vereinigung ihre aktuellen Weine und Grands Crus. Es sind dies folgende Produzenten: Alain Paley, Epesses; Pierre Fonjallaz, Cully; Dubois Fils, Epesses; Lambelet et fils Vignerons, Epesses; Etienne&Louis Fonjallaz, Epesses; Famille Fonjallaz/Toni Figliola, Epesses; Claude et Alexandre Duboux, Epesses; Les Frères Dubois/Carla et Grégoire Dubois, Cully; Chaudet Vins, Rivaz; Domaine Louis Bovard, Cully; J.&P. Testuz, Cully; Luc Massy, Epesses.
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