Gedämpfte Stimmung an der Jahresmedienkonferenz von Schweiz Tourismus: Der starke Franken, die weltweit gehemmte Konsumentenstimmung sowie das schlechte Sommerwetter und der späte Schnee bescherten der Hotelbranche 2011 eine Abnahme der Übernachtungen um 2 Prozent. Deutlich war der Rückgang im zweiten Semester, betroffen waren vor allem die Bergregionen, die vom Freizeittourismus leben. Die Städte dagegen verzeichneten ein geringes Wachstum von 1,6 Prozent. Insgesamt zählten die Statistiker des Bundes schweizweit 35,5 Millionen Logiernächte.
Schweizer kompensieren Minus aus dem Euro-Raum nicht
Rar machten sich die Gäste aus Europa, vor allem aus Deutschland (minus 10 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (minus 8,3 Prozent). Da der Franken hart und die Wirtschaftslage angespannt bleibt, dürfte sich dieser Trend fortsetzen. Für 2012 wird bei den Euro-16-Ländern mit einem weiteren Rückgang von bis zu 5 Prozent gerechnet.
Froh war Schweiz Tourismus-Direktor Jürg Schmid deshalb, dass es auch Hoffnungsvolles zu berichten gibt. So bleiben die Schweizer Gäste dem Ferienland Schweiz treu. Mit einem Marktanteil von 44,4 Prozent bleiben sie sowohl im Bereich der Übernachtungen wie auch beim Tagestourismus eine grosse Stütze. Die von Schweizer Gästen registrierten Hotellogiernächte sind gegenüber 2010 um nur 0,1 Prozent gesunken.
Rasanter Anstieg der Gäste aus China
Dies ist auch deshalb erfreulich, weil aufgrund des starken Frankens ringsum die Destinationen preislich attraktiver geworden sind. Schweiz Tourismus will den Schweizer Markt deshalb weiterhin prioritär bearbeiten. Investiert wird etwa in die Sommerkampagne zum Jahr des Wassers sowie in den Aufbau von Produktegruppen mit Wachstumspotenzial wie Well Aging, Well Being, Education oder sanfter Tourismus.
Deutlich verstärken will Schweiz Tourismus auch das Engagement in den strategischen Wachstumsmärkten wie etwa China, Brasilien Indien oder Russland (BRIC-Staaten). Mit gutem Grund, wie das Beispiel China zeigt: Die 191 000 zusätzlichen Übernachtungen von Gästen aus dem Reich der Mitte bedeuten im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 47 Prozent.
Noch ist der Anteil der Gäste aus Asien bei den Logiernächten gering. Hält der Trend an, dürften die bei Chinesen beliebten Destinationen wie etwa das Berner Oberland oder Luzern bald an Kapazitätsgrenzen stossen. «Die Schweiz ist derzeit attraktiver denn je», stellte Guglielmo L. Brentel, Präsident hotelleriesuisse, an der Medienkonferenz am Dienstag in Zürich fest. Die Schweizer Hotellerie habe in den letzten zehn Jahren über 10 Milliarden Franken investiert und ihre Qualitätsstandards spürbar verbessert. Das sei eine beachtliche Leistung, betonte Brentel: «Wir haben derzeit ein Preisproblem, aber bestimmt kein Qualitätsproblem.»
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