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23.02.2012
Hotellerie: Scuol handelt
Mit vollen Hotelbetten bleibt die Kirche im Dorf.
Mit vollen Hotelbetten bleibt die Kirche im Dorf. (© Andrea Badrutt/zvg)
Der Scuoler Tourismusdirektor Urs Wohler macht Nägel mit Köpfen. Mit zwei innovativen Projekten für die Hotellerie der Destination will er der Frankenstärke trotzen.
Christine Künzler

Urs Wohler, Direktor der Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG (TESSVM), will nicht nur davon reden, «die Kosten in den Griff zu bekommen», sondern aktiv etwas dafür tun. Die Hotels seiner Destination sollen in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit auch ohne Dumpingangebote über die Runden kommen. «Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, unsere rund hundert Hotels in der ‹schwierigen Mitte› zu stärken», erklärt Wohler. «Ich kann nicht warten, bis einige unserer Hotels schliessen müssen.»

Wohler plant nun zwei Hotel-Offensiven. Einerseits will er eine zusätzliche Person in der Tourismusorganisation einstellen, die sich ausschliesslich um Hotels kümmert (die htr berichtete). Andererseits will er gewisse Prozesse in der Hotellerie bündeln. Beide Projekte hat er den Hoteliers präsentiert. Deren Reaktionen seien weitgehend positiv. Bis Ende März steht fest, ob die Projekte umgesetzt werden können.

Rundum-Betreuung für 2- und 3-Sterne-Hotels

Der Hotel-Support richtet sich vor allem an 2- und 3-Sterne-Hotels. Die oder der neue Hotel-Zuständige in der Tourismusorganisation soll den Hoteliers konkrete Hilfestellungen leisten. Etwa dabei, wie und wo sie ihr Haus effizient vermarkten können. Und welche Produkte erfolgsversprechend sind. Die Hoteliers sind während 42,5 Stunden wöchentlich betreut, der Support in technischen und anderen Fragen ist innerhalb von Stunden gewährleistet. Wohlers Ziel ist es, diese Stelle für vorerst drei Jahre zu finanzieren, danach soll sie selbsttragend sein. Er braucht noch Projektpartner, die mitfinanzieren: Es fehlen jährlich 15000 Franken, 20000 Franken bezahlt die TESSVM. Mindestens 20 Hotels müssen mitmachen, die bereit sind, monatlich 250 Franken für diese Dienstleistung zu bezahlen. Die Stelle wird mit 100000 Franken pro Jahr veranschlagt.

Jeder Hotelier macht das, was er am besten kann

Im zweiten Angebot geht es darum, Synergien unter Hotels zu schaffen und Prozesse zusammenzulegen. «Zum Beispiel ein gemeinsames Reservationssystem über STC», schlägt Wohler vor. Oder eine gemeinsame Mitarbeiterschulung. Wohler hat die Prozesse, getrennt nach «allgemein» und «individuell», aufgelistet. So sind etwa die Kalkulation, die Gästebetreuung vor Ort, die Angebotsgestaltung, der Content von Internet und Broschüren individuelle Prozesse. Der Einkauf und der Service hinter den Kulissen können gemeinsam organisiert werden. Wohler kann sich auch vorstellen, Anrufe und E-Mails zentral zu beantworten. «Jeder Hotelier übernimmt einen Prozess, er macht, was er am besten kann. So wird der Know-how-Transfer genutzt.» Der Hotelier kann seine freien Ressourcen dort einsetzen, wo die Prozesse differenzierend sind. Mindestens zehn Hoteliers müssen sich beteiligen, damit das Projekt steht.

  
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